AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 5

LUIS ÁNXO: DER REBENFLÜSTERER

310e2688-e4d4-40a6-9e12-6fd80d72ca2b

Niemals zuvor haben wir von REB Wein Weiss- und Rotweine aus Galicien verkostet, die uns besser schmeckten als die von Luis Ánxo Vázquez Rodríguez und würde jemand behaupten, dass Luis’ elegante, komplexe und vor allem terroirgeprägte Weine zum Spannendsten gehören, was der spanische Weinbau aktuell zu bieten hat, würden wir bedingungslos einwilligen. Was eigentlich nicht unsere Art ist.

Ribeiro gehört zu den jungen D.O’s Spaniens. Erst im Jahr 1957 hat das kleine Gebiet diesen Status erhalten. Doch bis das Potenzial der Lagen am Fluss Miño und seinen Nebenflüssen Avia, Arnoia und Barnantiño erkannt wurde, sollte es noch einige Jahre dauern. Luis Ánxo Vázquez Rodríguez war einer der ersten, der 1988 begann, die vergessenen autochthonen Rebsorten Galiciens wiederzubeleben.

Luis studierte Philosophie und Önologie, was man auch seinen Weinen anmerkt. Er ist ein ruhiger Typ, geht eher intuitiv als nach streng wissenschaftlichen Regeln vor und sieht sich mehr als Winzer, denn als Kellermeister. Seine Lagen, Reben und vor allem seine Region sind seine Westentasche – hier kennt sich niemand besser aus als er. Die Weinberge befinden sich zum grössten Teil im Tal des Flusses Arnoia. Vier Hektar verteilt auf nicht weniger als unglaubliche 147 Parzellen. Während in anderen Gebieten Galiciens Lehm und Schiefer vorherrschen, dominieren in den Böden der Viña Martin Sand und Granit. Und das schmeckt man mit jedem Schluck! Luis Ánxos Weine sind nie langweilig primärfruchtig, sondern stets komplex, mundfüllend, von beachtlicher Struktur aber auch besonders trinkbar und elegant. Man ist fast versucht, das Wort „burgundisch“ zu verwenden, doch wie aus dem Burgund sind seine Weine ganz und gar nicht. Es sind Spitzengewächse, wie sie nur in Ribeiro gedeihen können.

Wie bei jedem Terroirwein stehen die Sorten eigentlich im Hintergrund. Für Luis ist es aber logisch, dass nur die autochthonen Varietäten seiner Heimat deren wahren Charakter im Glas widerspiegeln können. Der weisse Escolma etwa beinhaltet Treixadura und Albariño, er reift ein Jahr im Barrique und danach drei Jahre auf der Flasche, bevor er in den Verkauf kommt. Der Escolma tinto ist das rote Gegenstück. Er besteht aus den für das Flusstal des Arnoia typischen Sorten Brancellao, Ferról, Caiño Longo und Caiño Redondo und reift ebenfalls ein Jahr im Barrique sowie drei Jahre in der Flasche. Mit dem weissen Viña de Martín und dem roten A Torna dos Pasás hat Luis je einen “Zweitwein” im Angebot, der fast allen Erstweinen der Region haushoch überlegen ist. Bei den vielen Kleinstparzellen ist es nur logisch, dass die Weine aus Arnoia keine Lagenweine sind, sondern Verschnitte von mehreren Lagen und vieler Parzellen.

Vor vier Jahren begann für Luis Ánxo ein neues Abenteuer. Ein Winzer aus Ribadavia, Eigentümer von 1,3 Hektar Rebland in nur einer einzigen Parzelle am Fluss Adavia, verstarb und die Erben beauftragten Luis Ánxo, diese zu bewirtschaften. Daraus entstand A Teixa, ein Lagenwein aus fast 100 Prozent Treixadura. Für diesen Wein besorgte sich Luis Ánxo zwei grosse Fuderfässer für Vinifikation und Ausbau. Das Resultat ist ganz anders als das, was man von den Lagen am Fluss Arnoia kennt. Und dennoch ist die Handschrift des Ausnahmewinzers Luis Ánxo, sein bedingungsloses Streben nach dem Ausdruck des jeweiligen Terroirs, auch hier klar zu spüren.

Bookmark the permalink.

Comments are closed.