AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°24

Grosse Flaschen sind gute Flaschen

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Grosse Weinflaschen haben eine starke Anziehungskraft auf praktisch alle Weintrinker. Die Gründe liegen natürlich auf der Hand – eine grosse Flasche hat auch mehr drin, doch es ist mehr als das! Die grössten der grossen Flaschen haben klingende Namen wie Impériale, Balthasar oder Nebukadnezar, doch mit 6 bis 15 Litern sind uns diese Gebinde dann doch auch zu gross. Die grössten der Grossen lassen sich nur mit Spezialvorrichtungen ausschenken – wie unpraktisch und unspontan! Wir bei REB Wein mögen Magnumflaschen, also Weinflaschen mit 1,5 Litern oder zwei Normalflaschen Inhalt.

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Gerade bei trinkigen Weinen – von denen wir doch einige im Sortiment führen – macht es durchaus Sinn, jedem Gast etwas mehr als ein Schlückchen anbieten zu können, zudem liegt so eine Magnum einfach gut in der Hand. Doch wir wären nicht REB Wein, wenn es nicht auch ganz andere Gründe für die Verwendung von Magnums gäbe. Gefestigte Untersuchungen zum Verhalten von Wein in Magnumflaschen sind uns zwar nicht bekannt, doch unsere Erfahrung lehrt uns immer wieder, dass die Doppelflasche der Weinreifung zuträglich ist. Insbesondere bei Schaumweinen, die auf der Flasche ein zweites Mal vergären und reifen, ist der Unterschied zur Kleinflasche oft frappant. So etwa bei unserem Crémant de Limoux von Alain Cavailles. Einige Wochen haben wir auf die frisch eingetroffenen Grossflaschen gewartet und wurden nicht enttäuscht, der Wein aus der grossen Flasche ist noch frischer und feiner als sein kleineres Pendant. Übrigens sagen das nicht nur wir, auch viele Champagnerproduzenten verwenden bei der Versektung für kleinere oder grössere Gebinde Magnumflaschen – beim sogenannten Transvasierverfahren wird der Wein meist in einer Magnumflasche vergoren und dann zum Beispiel in eine Halbflasche umgefüllt. Das überzeugendste Resultat bei der Flaschengärung liefern Magnums, ist einfach so.

Auch Stillweine reifen langsamer und damit harmonischer in grösseren Gebinden. Schön zu beobachten ist das zum Beispiel bei unserem Blaufränkisch Weinberg 2012 vom Weingut Kopfensteiner oder beim Bramaterra 2012 von Colombera & Garella. Blind würde man nie erraten, dass es sich bei der Klein- und der Grossflasche um ein und denselben Wein aus demselben Jahrgang handelt. Auch wenn die Kleinflaschen schon grossen Genuss bieten, sind ihnen die Weine aus der Grossflasche immer einen Schritt voraus – oder hintendrein. Es gibt verschiedene Theorien, warum das so ist. Einerseits ist der Sauerstoffanteil in einer grösseren Flasche verhältnismässig kleiner als in einer kleineren und somit die Reifung verlangsamt, zudem ist die Fläche an Wein, die mit dem Kork in Berührung kommt verhältnismässig kleiner, was sich ebenfalls positiv auf die Reintönigkeit auswirken soll. Aber ganz ehrlich – die Theorie ist für uns hier zweitrangig. An den Festtagen wollen wir Magnums trinken – wenn nicht jetzt, wenn dann sonst?

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