AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°25

Dominio di Bagnoli: Tradition verpflichtet

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Dominio di Bagnoli ist ein eindrückliches Gut – in vielen Belangen. Einerseits ist da die bewegte Geschichte, die zurückreicht bis ins Jahr 954 nach Christus, als unter dem Namen ein Benediktinerkloster gegründet wurde. Andererseits sind da die schieren Ausmasse des Dominio di Bagnoli, eines typischen venezianischen Gutshofes mit riesigen Gebäuden, Kellern, eigener Flugpiste und nicht weniger als 600 Hektar, Wald, Reb- und Agrarland. Klar, die Grösse eines solchen Betriebes wirkt auch auf uns zuerst einmal abschreckend. Kann das gut sein?

Der Dominio di Bagnoli ist kein x-beliebiger Grossbauernhof, sondern ein absolut nachhaltig geführter Betrieb, der die Traditionen seines Landstrichs respektiert. Praktisch jede Familie in der Region hat einen Bezug zur „Villa“, weil viele mal hier gearbeitet haben oder in den weitläufigen Veranstaltungsräumen Feste feierten.  Die Agrar- und Rebflächen sind biozertifiziert, man betreibt ein eigenes Biogaskraftwerk und wo früher Künstler und adlige Venezianer ein- und ausgingen, findet man heute einen beliebten Agriturismo.

Das Herzstück des Dominio di Bagnoli ist der alte Weinkeller, der auf die Zeit der Mönche zurückgeht. Die Vinifikation findet natürlich mit zeitgemässem Equipment statt, die Reifung der Weine jedoch geschieht seit Jahrhunderten in den gothischen Gewölben unter der Erde. Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind hier absolut konstant – ganz ohne Zutun von Klima- oder Kühlanlagen.

Der Schatz von Bagnoli ist der Friularo, eine autochthone Traubensorte, die auch unter dem Namen Raboso bekannt ist. Der Name Raboso bezieht sich vermutlich auf den italienischen Begriff rabbioso, was so viel wie rabiat oder unbändig bedeutet. Dies nicht etwa in Bezug auf einen starken Wuchs der Reben, sondern darauf, dass die Trauben für einen exzellenten Raboso besonders reif sein müssen, denn ansonsten ist der Wein ganz schön rabiat, was Säuregehalt und Tannin betrifft. Der Raboso ist nur ein Beispiel für die unermessliche Vielfalt in den Rebbergen des Veneto, fernab von Prosecco-Prickler und Industrie-Amarone.

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Friularo di Bagnolo ist seit 2011 ein eigener DOCG-Wein, also ein höchstklassiertes italienisches Gewächs. Das versteht man vermutlich erst, wenn man mal einen erstklassigen Raboso im Glas hatte, wie etwa die Vendemmia Tardiva des Dominio. Bei diesem traditionellen Weintyp verbleiben einige Trauben am Stock bis Mitte November und werden erst gelesen, wenn die ersten Beeren zu rosinieren beginnen, dann wird spontan vergoren und der Wein für 27 Monate in grossen Holzfässern und für weitere 2 Jahre in der Flasche gelagert. Ein Friularo von Format.

Neben Rotwein produziert man auf Dominio di Bagnoli auch erstklassige Schaumweine aus der Sorte. Der Wein mit der schwarzen Kapsel besteht aus weiss gekeltertem Raboso, dem er sicher seine frische Säurestruktur zu verdanken hat. Er reifte ganze 5 Jahre auf der Hefe, bevor er degorgiert wurde und ein weiteres Jahr im alten Keller des Dominio verbrachte. Ein grosser Schaumwein aus einer unbekannten Sorte, der es spielend mit manchem Gewächs vermeintlich grösserer Herkunft aufnehmen kann.

Handwerklich produzierte Veneto-Weine wie die von Dominio di Bagnoli, Pialli oder auch Piovene Porto Godi zeichnen sich nicht nur durch ihre klare Herkunft aus, sondern auch durch die Fähigkeit, die Gerichte des Veneto perfekt zu begleiten. Zu Polenta, zu Gemüse von den Laguneninseln oder Meeresfrüchten und Fisch aus der Hafenstadt Chioggia kann man gar nichts anderes trinken. Uns zumindest geht es so.

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