AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°29

Cabernet Franc und Gamay: Die Coolen von der Rebschule

Bild_NL_obenWeinmarketing trägt zuweilen seltsame Blüten. Wie jedes Jahr flattern derzeit wieder die Angebote für Sommer-, Terrassen-, Grill- oder Strandweine herein. Und kaum ist das vorbei, gibt’s dann wieder die Cheminée- und Festtagsweine. Als Weinhändler verstehen wir diese Überlegungen natürlich gut, doch an unserem Eigenkonsum merken wir immer klarer, dass sich dieses Vorgehen inhaltlich jeglicher Logik entzieht. Denn gute Weine kann man schliesslich das ganze Jahr über trinken, ganz egal ob sie weiss, rot oder prickelnd sind.

Gamay, die Grundlage des Beaujolais und Cabernet Franc, die rote Königin der Loire, sind wie gemacht für eine Kategorisierung wie eingangs beschrieben. Der Gamay passt mit seiner Leichtigkeit und Süffigkeit zu heissen Temperaturen, dank den zurückhaltenden Tanninen kann er schliesslich auch gut kühl serviert werden. Der Cabernet Franc dagegen nimmt es mit seiner kernigen Art gerne mit Grillgut auf und wird entsprechend gerne als Grillwein bezeichnet. Werden wir damit diesen Sorten gerecht? Wir glauben kaum.

Den beiden französischen Ursorten Gamay und Cabernet Franc gemein ist ihr derzeitiger Erfolg und der kommt sicher nicht alleine vom Konsum im Sommer… Beide Sorten stehen für ungeschminkten Weingenuss aus kühlen Gegenden und scheinen wie gemacht zu sein für einen zurückhaltenden Ausbau ohne Zusatzstoffe.

Cabernet Franc kennen die meisten Weintrinker von seiner Rolle als Verschnittpartner in Bordeaux-Blends. Auch wenn jüngste DNA-Analysen nahelegen, dass die Sorte aus dem Baskenland stammt, so wurde sie schriftlich erstmals im Loire-Tal erwähnt und das bereits Mitte des 16. Jahrhunderts. Und auch wenn die Sorte in den letzten Jahren in heisseren Gegenden wie dem Languedoc angepflanzt wurde, strahlt sie reinsortig nirgendwo so sehr wie an der kühlen Loire. Die kernigen, frischen und oft ungemein süffigen Cabernet Francs von der Loire polarisieren zwar, doch gibt es selten einen Rotwein, der einem so lange nicht verleidet und der so gut zu den verschiedensten Gelegenheiten passt. Dank der kräuterigen Aromatik sind Cabernet Francs nicht nur gute Begleiter zu Fleischgerichten, sondern ebenso zu Gemüse.

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Seit Ende 2017 führen wir die Cabernet-Franc-Weine von der Domaine de L’R in unserem Sortiment. Der Winzer Frédéric Sigonneau gründete das Gut nach einigen Wanderjahren in Spanien im Jahr 2007. Von Beginn an verzichtete er auf Herbizide und Insektizide, ist mittlerweile biozertifiziert und setzt auch im Keller auf absolute Zurückhaltung. Wenn, dann kommt etwas Schwefel in seine Weine, sonst gar nichts. Das Resultat sind absolut typische, moderat extrahierte rote Loire-Weine mit einem unverkennbaren, vollfruchtigen, kräutrig-kernigen Profil und vor allem einem Trinkfluss, den man so selten in der Weinwelt findet. Die Alkoholgradationen bewegen sich um bekömmliche 12 bis 12,5 Vol. %.

Dank der oben beschriebenen Eigenschaften und sicher auch dank der bezahlbaren Preise sind die Cabernet Franc von der Loire zu den Lieblingen vieler französischer Bistrobesucher geworden. Während Bordeaux und Burgunder stets teurer wurden und deren Weingüter oft in die Hände von ausländischen Investoren gelangten, verkörpern die Winzer an der Loire noch den echten, artisanalen Weingeist Frankreichs. Gleich tun es ihnen die Kollegen aus dem Beaujolais, die – quasi im Schatten des Burgunds – kulinarische Saufweine par Excellence auf die Flasche bringen.

Der Önologe und Wissenschaftler Jules Chauvet gilt als Begründer der schwefelfreien Vinifikation und damit der heutigen Naturweine. Doch fast ebenso wichtig ist seine Rolle als Reformator des Beaujolais. Bis heute scheinen sich Weinmacher an seiner Arbeit zu orientieren. So etwa Charly Thévenet, dessen Vater Jean-Paul als einer der «Fab-Four» von Morgon gilt, neben Lapierre, Foillard und Descombes. Sein «Grain & Granit» – stammend aus Régnié, der Nachbarappellation von Morgon – ist neu im REB Wein-Lager eingetroffen. Ein Wein an dem wir zwar stundenlang riechen und nippen könnten, der aber so verdammt gut zu trinken ist, dass das nicht nur uns sehr schwer fällt, sondern Weinfreaks auf dem ganzen Planeten. Ein betörender Wein eben, bestimmt für den Ganzjahreskonsum.

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