Category Archives: Allgemein

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°23

Succés Vinícola: Jung, frech und erfolgreich

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«Trepat ist eine frische Rebsorte, sie ergibt leichte, fruchtige, nicht sonderlich aromatische Weine, die durch ihren niedrigen Alkoholgehalt auffallen und in der Regel für einfache Rosados genutzt werden» – diese Aussage soll euch nicht etwa abschrecken, sondern ist positiver gemeint, als ihr denkt. Es handelt sich hierbei um die Übersetzung eines katalanischen Satzes auf dem «El Mentider» der Succés Vinícola. «El Mentider» heisst «der Lügner» und auf dem Etikett ist ein Mann mit langer Pinocchionase abgebildet. «El Mentider» ist kein leichtes Weinchen und schon gar kein einfacher Rosado, sondern ein seriöser Rotwein mit einem gewissen Tiefgang und einer trinkigen Eleganz, wie wir sie bei REB Wein mögen. Ein völlig eigenständiges Gewächs, nicht typisch spanisch und eben, auch nicht typisch für die katalanische Sorte Trepat. Trepat ist die spanische Antwort auf einen köstlich-frischfruchtigen Beaujolais oder einen süffig-eleganten Pinot Noir – das triffts wohl am meisten.
Vendrell und Albert Canela. Die beiden jungen Weinmacher kennen sich von ihrer Zeit an der universitá und arbeiteten beide bei renommierten Betrieben im Priorat: Albert war sieben Jahre als Weinmacher für Álvaro Palacios tätig und Mariona verbrachte sechs Jahre bei keiner geringeren als Sarah Perez von Mas Martinet. 2011 hatten die beiden schliesslich genug Erfahrung und auch Mut angehäuft, um etwas Eigenes auf die Beine zu stellen: die Succés Vinícola war geboren.
Katalonien und die Unterzone Conca de Barberà ist zwar die Heimat von Albert, doch sicher keine Wunschgegend für ambitionierte Winzer. Denn hier werden in erster Linie Trauben für die Cava-Fabriken produziert, also Sorten wie Macabeo und Parellada und auch der oben erwähnte Trepat findet oft Verwendung in einfach-süffigen Rosé-Cavas.
Marionas und Alberts erklärtes Ziel war von Anfang an, die Welt von den Vorzügen des Trepat zu überzeugen und als erfahrene Priorat-Weinmacher wissen sie genau, dass das nur in den besten Lagen zu bewerkstelligen ist. Mit Hilfe von Alberts Vater, der von Beruf Weinbauer ist, konnten die beiden einige Top-Lagen der Region pachten und nicht selten sind die Trepat-Reben hier älter als die beiden zusammen.

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Der seriös wirkende «El Mentider» etwa verdankt seine Kraft uralten Trepat-Reben. Das Gegenstück dazu bildet der «El Cuca de Llum», das «Glühwürmchen». Ein unkomplizierter Saufwein, wie man ihn sich besser nicht vorstellen könnte. Er besteht ebenfalls zu 100 Prozent aus Trepat und macht seinem Namen gleich mehrfach alle Ehre: Leicht wie ein Glühwürmchen bewegt er sich am Gaumen so lange, bis die Flasche leer ist.
«El Mentider» und «El Cuca de Llum» beweisen eindrücklich, welch hohe Qualität Trepat in reiner Form ausspielen kann. Doch auch als Cuvée brilliert die Sorte. Das zeigen Mariona und Albert mit dem «Feedback», einer Assemblage aus Cabernet Sauvignon, Tempranillo und Trepat. Ein kraftvoller, vollfruchtiger, ja betörender Wein mit Aromen von Waldbeeren und kühlendem Menthol.
Trotz ihrer grossartigen Leistungen für die autochthone Traubensorte Trepat und auch trotz des zugegebenermassen gewöhnungsbedürftig-selbstbewussten Weingutsnamens sind Mariona und Albert alles andere als abgehobene Weinstars. Emsig schleifen sie an ihrer Vision der Sorte Trepat. Auf ihr nächstes Projekt freuen wir uns jetzt schon: der erste Einzellagen-Trepat der Welt aus einer Parzelle mit mehr als 110 Jahre alten Reben.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°22

Bandol: Urwüchsige Provence

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Es ist schon einige Jahre und Weinreisen her, als wir die Region Bandol zum ersten Mal besucht haben und bis heute ist uns diese eine Reise in bleibender Erinnerung geblieben. Nur schon die Landschaft hier ist atemberaubend schön. Sie hat nämlich weit mehr zu bieten als die Postkartenmotive der Küstenorte. Das Hinterland des namensgebenden Hafen- und Tourismusortes Bandol beeindruckt mit seiner einzigartigen, urwüchsigen Flora, den kleinen Dörfern und Weilern und den einzigartigen Winzerpersönlichkeiten, die man hier trifft. Die Reben in der Appellation Bandol wachsen auf Terrassen, die seit Jahrhunderten von steinernen Stützmauern – sogenannten Restanques – gehalten werden. Die Menschen ringen den Wein der Landschaft gewissermassen ab und das in Symbiose mit oft mehr als hundert Jahre alter Reben und ebenso traditioneller Kellermethoden.

Das Herz eines Bandols – den es in rot, rosé und ganz selten auch weiss gibt – ist die Mourvèdre-Traube. Eine der eigenwilligsten Traubensorten, die uns je untergekommen ist: sonnengetränkt, meerbrisenbewindet, spätreifend, dickschalig, gerbstoffreich und dazu aromaintensiv. Sie wird ausserhalb der Provence da und dort angebaut, in Spanien heisst sie beispielsweise Monastrell. In der Region Bandol scheint man besonders gut zu wissen, wie man mit ihr umzugehen hat. Einerseits besteht ein Bandol nie nur aus Mourvèdre. Bei den Rotweinen stammen 50 bis 95 Prozent aus der Sorte, bei den Roséweinen 20 bis 95 Prozent. Die Winzer müssen ihre Weine also cuvéetieren, was ihnen ganz gut tut. Zum Einsatz kommen Südfrankreichs bekannte Stars wie Grenache, Cinsault, Syrah und Carignan, die es in manchmal nur kleinen Dosen schaffen, aus dem unbändigen Mourvèdre einen grossen Tropfen zu machen.

Unsere erste Bandol-Reise war im Jahr 1999 und was die Weinstilistik angeht, haben sich die Bandol-Winzer weder vor, noch nach unserem Besuch stark bewegt. Und das ist gut so! Während viele andere grosse Rotweinregionen Europas dem Ruf einiger Kritiker nach barriquegeschwängerten Weinen oder internationalen Traubensorten folgten, wurde Bandol glücklicherweise davon verschont. Die Kritiker haben die Region für sich nie entdeckt, wofür wir heute dankbar sind.

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Im Bandol ist es die natürliche Kraft, die einen Wein prägt. Die Kraft des Klimas, der Muschelkalkböden und der Traubensorten ist hier ohne Netz oder doppelten Boden und mit jedem Schluck spürbar: DER mediterrane Wein par excellence. Die Rotweine werden viele Monate in grossen, oft Jahrzehnte alten Holzfudern ausgebaut, um die jung bissig-kräftigen Gerbstoffe etwas zu bändigen. Barriques kennt man hier – mit wenigen Ausnahmen –  praktisch nicht.

Rote Bandol trinkt man am besten gereift. Schon klar, dass das selten geht, dann sollte man den Wein dekantieren und am besten über viele Stunden beobachten. Zum Beispiel während ein herbstliches, provencialisch-kräutriges Gericht im Ofen schmort. Dazu passt der Wein dann ideal.

Und so ist der Bandol – gerade in seiner roten Form – für uns einer der grossen Rotweine Frankreichs. Die Komplexität dieser Weine ist einzigartig, genauso wie ihre Kraft und ihre Lagerfähigkeit. Das war schon so als wir zum ersten Mal dort waren und würden wir heute wieder hingehen, hätte sich das sicher auch nicht verändert.

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AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°21

Domaine Sainte-Croix: The Wild Side of Languedoc

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Um einen Wein geschmacklich einschätzen zu können, ist man gut beraten, wenn man das blind tut, also ohne den Winzer, die Region oder die Traubensorte zu kennen. Denn wenn man die Parameter eines Weines kennt, ist es gut möglich, dass man voreilig Sympathiepunkte verteilt. Doch ist das wirklich so schlimm? Im normalen Trinkalltag ganz sicher nicht! Zu einem Wein gehört so viel mehr als der blosse Geschmack. Wein erzählt Geschichten, ist Ausdruck eines Ortes, einer Vegetationsperiode und vor allem ist er Ausdruck einer Persönlichkeit. Und da ist es ja nur logisch, dass man lieber den Wein einer Person trinkt, die einem sympathisch ist, mit der man etwas verbindet, als von einer, die man vielleicht gar nicht kennt oder noch schlimmer – mit der man lieber keinen Abend verbringen möchte.

Die Weine von Jon und Elizabeth Bowen zaubern uns immer ein Lächeln aufs Gesicht und das aus vielerlei Gründen. Die gebürtigen Engländer arbeiteten in den verschiedensten Betrieben auf der ganzen Welt, in kleinen Boutiqueweingütern ebenso wie in grossen Stahltank-Wein-Fabriken, bis sie sich entschieden, sich im Hautes-Corbières, also dem höhergelegenen Teil des Corbières-Massivs, im Languedoc niederzulassen. Eine Region mit grossem Potenzial für hochwertige Weine. Die Hautes-Corbières ist Niemandsland. Während in den tieferen Gefilden Richtung Mittelmeer der Weinbau das Landschaftsbild dominiert, regiert im Hinterland die Garrigue, eine wilde, rurale und unverfälschte Buschlandschaft, die vor allem im Sommer unwiderstehlich wild-kräutrig riecht, ganz wie die Weine, die hier wachsen. Die Reben von Jon und Liz stehen hier quasi isoliert, in einer absolut reinen, unverpesteten Gegend – gut für die Reben, ihre Macher, den Wein und für uns.

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Kennengelernt haben wir Jon und Liz über unseren Freund und “maître caviste” Laurent Jamois aus Lagrasse und schon bald nach dem ersten Zusammentreffen – inklusive eines ausgedehnten Nachtessens und der einen oder anderen Flasche Wein – war uns allen klar, dass wir zusammenarbeiten möchten.

Jon und Liz kümmern sich gemeinsam um die Rebberge, im Keller ist Jon der Chef, während sich seine Frau um all den Zahlenkram kümmert, den ein Weingut nun mal auch noch mit sich bringt. Jon spielt in seiner Freizeit Gitarre und ist ein absoluter Musiknerd, sodass die Gespräche sich auch mal stundenlang um dieses Thema drehen können und Wein zum angenehmen Nebenaspekt wird. Während es für Jon bei der Musik auch mal virtuos sein darf, übt er im Keller Verzicht, er extrahiert die Trauben sehr zurückhaltend, vergärt sie mit Vorliebe spontan, lässt das Filtrieren der Weine, wenn es denn nicht unbedingt sein muss, schönt nicht und gibt Sulfite einzig in minimalen Dosen zu.

Die Weine der Domaine Sainte-Croix reflektieren die Faszination und auch den Respekt der Bowens für die Hautes-Corbières. Jon und Liz suchten lange nach alten Parzellen, bestockt mit Carignan und anderen alten Sorten, die ihnen auf natürliche Weise das Mass an Konzentration und Ausdruck geben, nach dem sie in ihren Weinen suchen.

Betrachtet man die Fakten, gehören Bowens klar zu den Naturweinwinzern. Doch wenn man die beiden und ihre Arbeit näher betrachtet, wird einem erst klar, wie wenig Sinn dieser Ausdruck überhaupt macht. Jon und Liz sind ganz einfach zwei Menschen, die sich, den perfekten Ort für ihr Schaffen und die dazu passenden Methoden gefunden haben. Schön, dass es sie und ihre Weine gibt.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°20

Vegigrill: An den Rost! An die Gläser!

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Wir bei REB Wein legen viel Wert darauf, wie unsere Weine hergestellt werden, ein besonderes Augenmerk legen wir dabei auf eine vegane oder wenigstens vegetarische Produktion, also auf den Verzicht von tierischen Schönungsmitteln. Gründe dafür gibt es viele – zum Beispiel, dass auch Vegetarier Wein trinken wollen… Der vermutlich wichtigste Grund ist aber wahrscheinlich, dass man auf tierische Produkte bei der Weinherstellung ganz einfach verzichten kann. Darüber, ob sich das beim Grillen genauso verhält, sind wir uns natürlich nicht ganz einig. Roger E. Baumann für seinen Teil ist seit vielen Jahren Vegetarier und freut sich dennoch über jede Einladung zu einem Grillfest. Denn die Zubereitung über glühenden Kohlen bekommt auch diversen Gemüsesorten und nicht-tierischen Eiweissen mehr als gut: Grillierte Peperoni, denen sich die fast schwarze Haut abziehen lässt, gehören zum Besten, was man überhaupt essen kann. Auberginen am Stück gegrillt, danach ausgeschabt und mit Olivenöl, Knoblauch und Fleur de Sel serviert, sorgen für ein besonderes Sinneserlebnis, aber auch nicht tierische Eiweisse wie Tofu, Seitan oder der indische Käse Paneer profitieren von der Zubereitung auf dem Grill und den damit verbundenen Röstaromen.

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Mit der Grillsaison flattern stets auch die Mailings zu den Grillwein-Promotionen der Weinhändler ins Haus und wenn man die sich ansieht, sind diese Weine meist nur zum Fleischgrillen gedacht. Mal davon abgesehen, dass wir solche Kategorien wie Grill-, Terrassen oder Cheminéewein schräg finden, sind die meisten Grillweine nun mal zu einseitig ausgewählt. Das Tannin ist der Freund des Fleischessers aber wiederum der Feind von eher bitterem Grillgemüse. Daher haben wir bei REB Wein diesen Sommer die Köpfe zusammengesteckt und unsere ultimative Vegi-Grill-Selektion zusammengestellt, die natürlich mit einem Augenzwinkern verstanden werden soll. Denn diese Weine sollen Vegetariern unter sich genauso viel Spass bereiten wie einem gemischten Grillfest.

Der ideale Grillwein ist für uns sensorisch nicht allzu schwer und macht auch schon Spass beim Einheizen: So wie unser Muscadet von der Domaine de la Pépière, der Verdicchio von La Stoppa oder der spanische Rosé La Jaffa, die mit ihrer Balance aus Frische und Substanz den perfekten Start in den Grillabend und die ultimative Begleitung zu den ersten Häppchen bilden. Dank der Röstaromen, die natürlich auch auf vegetarischem Grillgut entstehen, wird man sich mit voranschreitendem Abend aber sicher auf Rotwein einigen. Unser Schwarzriesling von Marc Weinreich aus Rheinhessen ist ein Knaller zu Spargel und damit optimal für Vegigriller. Der Merlot von Mas de Figuier und der Garnacha Castillo di Belarfonso von der Bodegas Canopy sind nicht nur vom Geschmack her mehrheitstauglich, sie sind auch preislich so interessant, dass man davon auch eine grössere Grillfestmeute versorgen kann. Denn beim Grillen spielt schliesslich nicht nur die Qualität eine Rolle, sondern auch, dass die Getränke so schnell nicht ausgehen. In diesem Sinne: Einen schönen Sommer!

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AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°19

Spanien: Viva la Revolución

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Während bei uns ein Weingut möglichst klein sein muss, um als fein gelten zu können, ist die spanische Durchschnittsbodega stolz auf ihre Ausmasse. Gerne zeigt man die riesigen Rebflächen her und eine Besichtigung der grossen Holzfasskeller gehört bei vielen Weingutsbesuchen einfach dazu. Spanien ist das Land mit der grössten Rebfläche überhaupt und dagegen gibt es eigentlich auch nichts einzuwenden. Wein ist in Spanien ein wichtiger Wirtschaftszweig. Es ist dementsprechend nur logisch, dass man das Thema dort etwas anders behandelt als bei uns. Viele spanische Weine sind ganz einfach Produkte, die Jahr für Jahr einen ähnlichen Charakter zeigen sollen und die natürlich auch möglichst jedem schmecken sollen. Das Dilemma ist nicht nur vorprogrammiert, sondern längst Realität: Spanien ist beliebt und bekannt für Massenweine, für Weine mit klarem Charakter aber selten mit klarer Herkunft.

Sogar im Spitzenbereich werden spanische Weine nicht immer nach der genauen Herkunft bewertet. Ein Rotwein mit der Bezeichnung Gran Reserva muss nicht in besonders guten Lagen wachsen, er muss einzig ein Jahr im Holzfass und mindestens drei Jahre insgesamt im Fass und der Flasche reifen, bevor er verkauft werden darf. Kein Wunder, dass die meisten Gran Reservas in erster Linie vom Holzfass geprägt sind, nach Kokos, Vanille und Gewürzen riechen und damit Frucht und Mineralität gelinde gesagt maskieren.
Doch da brodelt etwas in der spanischen Weinwelt! In den letzten Jahren haben wir vermehrt Projekte kennenlernen dürfen, die ganz anders funktionieren, Winzer, die uns mit Begeisterung ihre oft uralten Rebbestände präsentieren und deren Weine ganz anders sind als der typische „Spanier“ auf der Weinkarte der Zürcher Durchschnittsbeiz. Die Frage, wie eine Umgebung, eine Bodenstruktur oder eine Region wirklich schmeckt, treibt auch in Spanien viele Weinmacher an. Man muss sie nur finden…

Ein berühmtes Beispiel sind die Weine aus der Region Ribera del Duero, über die viele ältere Weinmacher erzählen, dass sie früher – vor dem kommerziellen Erfolg im Ausland – ganz anders schmeckten als heute, dass sie niemals so schwer und auch nicht allein von Frucht und Holz geprägt waren. Den Beweis dafür treten dort gleich mehrere Bodegas an. So etwa auch die beiden Güter Hacienda Solano und Gallego Zapatero, die wir seit einigen Jahren führen. Beide werden von der französischen Önologin Sophie Kuhn beraten. Sie implementierte in den Gütern, was eigentlich schon lange überfällig war: Kuhn perfektionierte zunächst die Weinbergsarbeit und fuhr die Technik im Keller auf ein Minimum zurück. Ein wichtiges Thema für sie – und allgemein für alle Rotweinregionen Spaniens – ist das Tanninmanagement, also das perfekte Extrahieren der Traubeninhaltsstoffe für maximalen Geschmack ohne störende, trocknende Tannine. Denn was man bei vielen klassischen Spaniern mit Süsse oder starkem Fassausbau zu kaschieren versucht, ist in Wirklichkeit nach der Vinifikation oft nicht mehr zu retten.

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Wie viele andere Betriebe in Spanien setzt Sophie Kuhn heute auf den Einsatz von französischen Barriques, die aromatisch dezenter sind als das amerikanische Holz, das in Spanien klassischerweise verwendet wird. Eine gute Entscheidung, wie die Entwicklung der Weine zeigt – Jahr für Jahr werden sie feiner, eleganter und trinkiger.

Sophie Kuhn ist nur ein Beispiel für eine wachsende Gruppe von Weinmachern, die in Spanien quasi eine Revolution losgetreten haben. Das Weingut Mas Candi katapultiert den Spass-Schaumwein Cava mit strikter Selektion auf ein neues Niveau, Die Bodegas Fulcro setzt in Rias Baixas auf Lagenweine statt grosse Cuvéetiertanks, die Succés Vinicola hilft der Sorte Trepat zu neuem Ansehen. Und unser Neuzugang José Beneitez von El Hato y El Garabato hat sich zur Aufgabe gemacht, der Region Arribes zu neuer Aufmerksamkeit zu verhelfen. Denn der verwunschene Landstrich am Ufer des Douro ist nicht einfach unbekannt, sondern förmlich in Gefahr. Viele der hiesigen Winzer verkaufen ihre teils uralten Rebflächen an grosse Güter in bekannten Regionen wie Rueda, denn nur wenn diese anderswo Rebflächen roden, ist es ihnen erlaubt noch mehr zu pflanzen. Ein Desaster.
José hatte das Glück, einige alte Parzellen von überzeugten Arribes-Bewohnern übernehmen zu können und so kultiviert er primär alte Reben von hier heimischen Sorten, die selbst wir zuvor noch nie getrunken hatten. Sein Rotwein heisst Sin Blanca und besteht zum grössten Teil aus der Traube Juan Garcia. Sin Blanca hat er den Rotwein getauft, weil dieser keine weissen Trauben enthält, was in der Region über Jahrhunderte üblich war. Ein dunkelfruchtiger Wein mit knackig-frischen Gerbstoffen, einer tiefgründigen Frucht und auch einer gewissen Mineralität. Ein Wein, der Ausdruck seiner Herkunft ist, der kargen, verwunschenen Gegend Arribes mit ihren Hügelchen und moosbewachsenen Felsen. Ein spanischer Wein wie er sein sollte eben.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°18

Frankreich ohne Chichi

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In den meisten Köpfen ist Frankreich als Weinland positiv besetzt. Manche glauben zwar, dass alle französischen Weine teuer seien, an der Qualität des französischen Weins wird generell aber selten etwas kritisiert. Frankreich ist premium, und das seit vielen Jahren. Natürlich, diese Aussage ist für so ein facettenreiches und grosses Land zu pauschal gefasst, aber es ist doch schon bemerkenswert, dass viele Qualitätsmerkmale beim Wein französischen Ursprungs sind. Spanische Winzer sind stolz darauf, wenn sie französische statt amerikanische Barriquefässer einsetzen. Das Wort «burgundisch» wird oft verwendet, um einen besonders eleganten Wein zu loben (auch wenn lange nicht alle Weine aus dem Burgund elegant sind), und der allgegenwärtige Begriff Terroir ist nicht nur französisch, auch die Idee dazu ist definitiv in Frankreich entwickelt worden.

Ein Terroirwein ist ein Wein, der geschmacklich widerspiegelt, wo und unter welchen Umständen er gewachsen ist. Dazu gehört die Rebsorte, der Boden, das Klima und vor allem der Mensch. Bemerkenswert dabei ist, dass man sich heute eigentlich darüber einig ist, dass Zurückhaltung im Weinberg und Keller den Terroirausdruck begünstigt und dass echtes Handwerk dafür unabdingbar ist. Das ist nicht nur wichtig und richtig, sondern ebenfalls französischen Kräften zu verdanken.

Urvater der Überzegung, dass biologischer oder biodynamischer Anbau zu Weinen mit grossem Ausdruck führt, ist der Loirewinzer Nicolas Joly. Er gehörte zu den Ersten, die mit biodynamischem Wein für Furore sorgten. Seit 1981 bewirtschaftet Joly seinen Clos de la Coulée de Serrant biodynamisch und beeinflusste damit Weinmacher in aller Welt. Nicolas Joly geht mit seinem kompromisslosen Anbau und der handwerklichen Kellerarbeit schon sehr weit, dennoch gibt es heute eine Weinbewegung, die noch ein Stück weiter geht. Und damit ist eigentlich kein Fortschritt gemeint, sondern die Rückbesinnung auf alte Werte, auf die sich auch Joly beruf

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Die Rede ist vom heute gefeierten Vin Naturel oder Naturwein – zu dem auch ein grosser Teil unseres Sortiments gehört. Und wie könnte es anders sein, auch diese Entwicklung, die neben dem Anbau auch die Interventionen im Keller hinterfragt, nahm ihren Anfang in Frankreich. Es war der Chemiker und Winzer Jules Chauvet (1907–1989), der in der dunklen Zeit des Beaujolais, in der es um schnelle Vinifikation, um die Bedienung des Marktes (mit Beaujolais Nouveau!) und nicht in allererster Linie um Qualität ging, danach strebte, die Qualität seiner Weine und der Region allgemein zu verbessern. Und er tat, was ihm am logischsten erschien: Er ging – wie Joly – zurück zu den Wurzeln. Er verzichtete zuerst mal auf chemische Dünger und Herbizide, auf Chaptalisation, auf Reinzuchthefen, auf Filtration, auf Schönung und schliesslich auf Schwefeldioxid. So die Kurzversion – Chauvet publizierte als Wissenschaftler viel zu dem Thema und experimentierte als Winzer über viele Jahre. Denn ihm ging es nie um irgendeine Ideologie, sondern ganz einfach um Qualität. Die Legitimation für Zurückhaltung bei der Weinherstellung schlechthin.

Davon liessen sich zunächst viele Winzer in Frankreich inspirieren und später auf der ganzen Welt. Ein weiterer Pionier ist etwa Pierre Overnoy, der noch heute in Pupillin im französischen Jura seine raren Naturweine füllt. Overnoys Weine können wir leider nicht anbieten, aber seit wenigen Monaten haben wir einen Crémant du Jura der Domaine Overnoy im südlichen Jura im Sortiment. Betrieben wird diese von Jean-Louis und dessen Sohn Guillaume Overnoy, und als Grossneffe von Pierre kann Guillaume fast gar nicht anders, als die Ideen des zurückhaltenden Weinbaus in seinen Betrieb zu integrieren. Dieser befindet sich in der Umstellung auf biologischen Anbau und im Keller wird auf alles verzichtet, was geht.

Ganz neu im Sortiment haben wir den Beaujolais-Villages von Clotaire Michal, und wer seinen Beaujolais probiert oder mit ihm über seine Philosophie spricht, merkt schnell, dass die Ideen von Jules Chauvet sich bis heute in der Region gehalten haben: naturnaher Anbau, interventionsarme Arbeit im Keller.

Nicht dass es jetzt so wirkt, als ob Frankreich uns nur mit naturnahem Anbau und grossem Ausdruck der Herkunft überzeugte, nein, Frankreich überzeugt uns auch mit dem Preis. Denn es ist ganz einfach falsch, dass Frankreich nur premium könnte. In keinem anderen Land finden wir preisgünstige Weine, die so viel anzubieten haben wie hier. Das gilt für die beiden obigen Gewächse genauso wie für viele andere auch. Da wäre zum Beispiel unser Cahors Le Gamotin – ein würzig-beeriger, frischer Bistrowein, für 12.50 Franken unschlagbar im Preis. Oder eine Klasse höher der Madiran Clos Basté – ein ausdrucksstarker, langlebiger Terroirtropfen, komplett aus Tannat gekeltert, der mit 23 Franken manch teureres Gewächs im Regen stehen lässt. Produziert wird der Wein von Chantal und Philipp Mur und natürlich gehen auch sie bei der Weinproduktion so naturnah und zurückhaltend wie nur möglich vor. Und wahrscheinlich hat es genau mit dieser Philosophie zu tun, dass handwerklich produzierte Weine und ihre Macher in keinster Weise aufgeblasen sind – weder im Geschmack, noch in der Art und auch nicht im Preis.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°17

Hand aufs Herz Teil I: Italien fernab des Mainstreams

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Die Erfolgsgeschichte Italiens als Weinland ist eigentlich phänomenal. Das Land gehört zwar schon seit Urzeiten zu den grössten Produzenten der Welt, schaffte es in den letzten Jahren aber immer weiter zu wachsen – gerade auch auf dem Schweizer Markt. In der Importstatistik ist Italien unumstritten Platz 1 und dennoch möchten wir von REB Wein die meisten italienischen Weine auf dem Schweizer Markt nicht trinken. Warum? Weil das Gros der italienischen Produzenten schon vor Jahren eingeknickt ist, seine Traditionen über Bord geworfen hat und heute dem einfachsten Weg folgt – dem des Massengeschmacks. Einmal mehr zeigt sich: Kommerzieller Erfolg ist kein Gradmesser für Qualität oder grossen Genuss.

Erfolgreich sind heute vor allem spritzige, leichte und restsüsse Weiss- und Schaumweine und dichte und üppige Rotweine. Das beweisen die schon jahrelang andauernden Grosserfolge von italienischen Klassikern wie Prosecco, Amarone und Primitivo. Gründe für diese Vorlieben bei den Konsumenten gibt es einige und wir meinen damit nicht etwa die oft heraufbeschworene „Cola-Generation“, die es so eh nicht gibt. Die Üppigtrinker gibt es in allen Altersklassen. Die Ursache der Entwicklung liegt darin, dass Journalisten und Verkoster lange gut bewerteten, was diesem Bild entsprach und irgendwie ist es dann auch nicht verwunderlich, dass viele Produzenten diesem Aufruf folgten. Ausserdem wollte man den Konsumenten vermutlich auch zeigen, dass man anders kann, als in den 70er- und 80er-Jahren, in denen die Massenproduktion durchaus dünne Weinchen hervorbrachte. Die Konsumenten nahmen das dankend an und die Logik, dass mehr auch besser ist, ist ja auch nachvollziehbar – mehr Tannin (-pulver), mehr Röstaromen vom Barrique, mehr Dichte, mehr Restzucker. Bis zum Platzen! Fürchterlich!

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Üppige, opulente Weine zu machen, ist mit der entsprechenden Kellertechnik – von Traubentrocknung bis Vakuumverdampfer – ganz einfach. Die Italiener nennen das dann „Vino importante“, in unseren Ohren ein Unwort! „Importante“ sind für uns Eigenschaften wie Terroirausdruck, Finesse, Eleganz und Trinkbarkeit. Und ja, die kann man nun mal nicht forcieren, man erreicht sie nur mit absoluter Zurückhaltung und in Perfektion nur mit einer gewissen Demut vor der Natur, der Umgebung in der eine Rebe wächst und natürlich mit einer zünftigen Portion Selbstsicherheit.

Die Entwicklung des Massengeschmacks zur Üppigkeit hin betrifft natürlich lange nicht nur Italien, sondern auch Länder wie Spanien und Frankreich über die wir in den folgenden zwei REB Wein Lettern berichten werden. Doch bei Italien ist diese Entwicklung besonders bedenklich, weil diese konzentrierten Weine zu der von uns so heiss geliebten italienischen Küche eigentlich gar nicht passen. Um bei einem der obigen Beispiele zu bleiben: Ein Primitivo aus Apulien erschlägt geschmacklich auch das deftigste Bistecca Fiorentina, ganz zu schweigen von einfacheren italienischen Klassikern wie Pasta oder Pizza. Da passen eigentlich ganz andere Dinge dazu.

Begonnen beim Apéro mit Käse und Salumi – müssen wir dazu wirklich süsslichen Prosecco trinken? Ein Graus! Wenn Prosecco, dann in seiner klassischsten Form „Sui Lieviti“. Diese Weine werden mit Wildhefen spontan und in der Flasche vergoren. Das biodynamisch produzierte Exemplar von Gregoletto zum Beispiel ist ein unwiderstehlicher, frischer Trinkwein, der nicht nur zum Apéro perfekt passt.

Weiterfahren könnte man dann zum Beispiel mit einem Soave – einer der Weissweinregionen, die ihre Identität zu Gunsten des Massengeschmacks schon lange geopfert hat. Zum Glück nicht flächendeckend! Filippo Filippis Weissweine haben so gar nichts mit dem Soave aus dem Supermarkt zu tun, er lässt die Weine spontan vergären und belässt sie lange im Stahltank auf der Feinhefe. Resultat sind puristische, terroirgeprägte und auch lagerfähige Weine. Von seinem Soave Cru „Castelcerino“ haben wir noch den leicht gereiften 2013er an Lager – der perfekte Begleiter zu Rohkost und Gemüsegerichten wie Cima di Rapa, Cicorino und Co. Zu italienischen Klassikern wie Pizza oder Pasta schmecken opulente Bombenweine erst recht nicht. Ein klassisch ausgebauter Chianti – wie die von Montebernardi zum Beispiel – sind dort die richtige Wahl. Unser Geheimtipp zur Pizza aber ist ein ganz anderer – Die Fattoria Moretto produziert trockene Lambruscos, die so gar nichts mit den süssen Weinchen zu tun haben, die unter diesem Label oft angeboten werden. Der Einzellagen-Lambrusco Monovitigno besticht durch Noten von Brombeeren, Thymian, Blumen und Mineralien und wird damit zum absoluten Volltreffer zur Pizza. Diese drei Beispiele und viele weitere mehr beweisen es: Die italienischen Weine, die ihre Herkunft zeigen und sich nicht dem Mainstream beugen, sind Grund genug, immer mehr italienischen Wein zu trinken. Die opulenten und restsüssen Tropfen überlassen wir gerne den anderen.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°16

REB Wein auf Entdeckungstour

 b47295f1-b5f9-4a5a-9090-9f038ca9b22dRoger E. Baumann mit Theo und Tunc von Vincoeurs.

In die Herkunftsregionen unserer Weine zu reisen gehört für uns zum Vergnüglichsten, was es überhaupt gibt. Arbeit ist es, klar, doch wir lieben es, uns durch Hunderte von Mustern zu verkosten, die lokalen Köstlichkeiten kennenzulernen, Winzer und Freunde zu treffen, Rebberge und Kellereien zu besuchen und natürlich auch ab und zu ein Fest zu feiern.

Im letzten Monat unternahmen wir gleich zwei grosse Verkostungstouren – eine nach Frankreich und eine nach Spanien. Nach Frankreich fuhren wir gemeinsam mit Theo und Tunc von der Solothurner Weinhandlung Vincoeurs, mit denen wir seit Jahren eine erfolgreiche Partnerschaft mit geteilten Importen pflegen. Auf dem Plan standen einige Weinmessen oder besser gesagt „Salons“, wie diese auf Französisch heissen. Gestartet haben wir allerdings ganz anders. Die Domaine de la Magnanerie in der Ardèche verfolgen wir schon seit einigen Jahren – hier wird nicht etwa Wein, sondern erstklassiges Olivenöl hergestellt. Bei unserem diesmaligen Besuch konnten wir uns erneut davon überzeugen, dass das La Magnanerie zu den besten Olivenölgütern überhaupt gehört. Und darum passiert bald, was schon längst überfällig ist: Die Öle wird es schon bald im REB-Wein-Sortiment geben!

Nach unserem Abstecher besuchten wir in Montpellier zwei Tage lang die sogenannten Off-Salons der Messe Vinisud. Denn über die Jahre haben wir bemerkt, dass die kleinen, alternativen Weinausstellungen für Überraschungen oft am besten sind. Danach ging es auf die Millésime Bio in Marseille. Neben der schieren Menge an anwesenden Winzern, ist uns vor allem die Verkostungsreihe unseres bestehenden REB Wein-Gutes Domaine Magellan aus der Region Languedoc in Erinnerung geblieben. Winzer Bruno Lafon ist ein Spross der berühmten Burgunderdomaine Comtes Lafon aus Meursault. In der zweiten Hälfte der 90er Jahre startete er sein eigenes Weinprojekt im Languedoc. Von Beginn an war sein erklärtes Ziel, Weine von hoher Qualität und mit burgundischer Finesse erzeugen, die im Gegensatz zu den überteuerten Weinen seiner Heimat für jedermann erschwinglich sind. Auch bei dieser Verkostung zeigte uns Lafon einmal mehr, dass er im unteren Preissegment quasi unschlagbar ist.

Nach unseren Erlebnissen im Süden Frankreichs zogen wir zwei Tage Urlaub in Lagrasse in der wilden Region Corbières ein. Wir trafen unsere befreundeten Winzer Jon und Elisabeth Bowen und genossen das von uns mitgebrachte Fondue „Moitié-Moitié“ – neben einigen Flaschen Wein und der unglaublich schönen, wilden Landschaft.

Schliesslich zog es uns weiter, an die Loire, wo wir in Saumur die Kult-Weinveranstaltung La Dive Bouteille besuchten. Augenscheinlich der Treff für alle hippen und hipsterigen Weinfreaks, Gastronomen und Weinhändler. Und wer je da gewesen ist, versteht die Anziehungskraft dieser Veranstaltung absolut: In den Katakomben der Caves Ackermann – in Tuffstein gehauene, Dutzende Kilometer lange Kellertunnels – herrscht eine einzigartige Atmosphäre. Die Kunstinstallationen und natürlich die unzähligen Winzer und ihre Produkte machen die Dive Bouteille zu einer Veranstaltung, an der man einfach mal gewesen sein muss.

Spanien

Blick von der Region Arribes (Spanien) über den Fluss Duero nach Portugal.

Nur wenige Tage nach unserer Frankreichreise ging es schon weiter nach Spanien. Theo von Vincoeurs begleitete uns auch auf diesem Abenteuer, ausserdem war Janine vom Weinladen am Idaplatz und Benno von Herzog & Vombach mit dabei. Die Reise startete mit einem doch eher wilden Abend in der Metropole Madrid. Nach einigen klassischen Tapas-Bars, zog es uns in die Vinoteca Vides in der Calle Libertad – ein echter Tipp für Madrid-Reisende, die es nach einer grossen, spannenden Weinkarte dürstet…

Am Tag darauf ging es dann in Richtung Norden in die Region Castilia y León. Bei der Fahrt über die Sierra de Guadarrama kamen wir sogar in ein ganz kleines Schneegestöber – und das mitten in Spanien!

Die nächsten Tage standen ganz im Zeichen der Verkostung. Auf der Jahresmesse unseres spanischen Weinvermittlers erlebten wir manche Überraschung, bekamen aber auch die Qualität von Altbewährtem bestätigt. Die des allseits beliebten Lajas zum Beispiel: Der in der Höhe gewachsene Garnacha aus der D.O. Catalayud überzeugt auch mit dem Jahrgang 2012 wieder auf der ganzen Linie. Bis dieser in der Schweiz eintrifft, haben wir noch wenige Flaschen vom herrlich trinkreifen 2009er auf Lager.

Ein weiterer Höhepunkt, der stellvertretend für die vielen grossartigen Neuentdeckungen dieser Reise steht, sind die Weine von El Hato y el Garabato, was übersetzt so viel heisst wie „einen Haufen Kritzeleien“. Die Rebberge des Familienbetriebes aus der Region Arribes del Duero (Zamora) sind teilweise direkt am Duero gelegen, der hier Spanien von Portugal trennt. Unglaublich trinkige und dennoch tiefgründige Gewächse, gekeltert aus der autochthonen Traubensorte Juan Garcia, die mit absoluter Vorsicht und Zurückhaltung angebaut und vinifiziert werden. Die Weine von José Manuel Beneitez waren welch eine Wohltat nach den vielen tanninstarken Tempranillo-Weinen von weiter oben am Fluss, die wir in den Stunden zuvor verkostet hatten. Und ja, schon bald werden die Weine von El Hato y el Garabato in unserem Lager eintreffen!

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°14

Nordpiemont: in alter Frische

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Das Märchen vom Dornröschenschlaf und dem damit zusammenhängenden, grossen Erwachen erzählt man sich über viele Weinregionen. Doch noch nie haben wir von REB Wein dieses Erwachen so hautnah miterleben können wie im Nordpiemont. Denn die Region südlich des Simplons und am Fuss der Südalpen ist gerade erst im Begriff, wachgeküsst zu werden. Vor der Reblaus-Katastrophe Anfang des 19. Jahrhunderts gab es im «Alto Piemonte» rund 40’000 Hektar Reben, heute sind es noch rund 1’000 – mit zu unserem Glück wachsender Tendenz.

Der Niedergang der nordpiemontesischen Weinwirtschaft war von mehreren Phasen geprägt. Die desaströse Reblaus war nur der Anfang, es folgten zwei Weltkriege und zeitgleich eine Abwanderung des Arbeitervolkes aus der Landwirtschaft in die aufstrebende Textil- und Maschinenindustrie. Noch heute zeugen in den Wäldern der Abhänge überwucherte Cascinas und zerfallene Terrassen von der einstigen Hochblüte der Weinkultur. Gattinara, Ghemme und Lessona waren einst weit berühmter als Barbaresco, Barolo oder sogar viele Burgunder.

Junge Winzer, traditionelle Methoden
Die Dynamik, die der Region zurzeit wiederfährt, ist nirgendwo besser zu spüren als beim Weingut Colombera & Garella. Giacomo Colombera ist gerade mal Mitte 20 und sein kongenialer Partner Cristiano Garella Anfang 30. Die beiden schaffen es wie niemand anderes, die Qualitäten des Nordpiemonts in ihren Weinen zum Ausdruck zu bringen. Mit modernen Anbaumethoden oder abenteuerlicher Önologie hat das natürlich nichts zu tun, sondern ganz einfach mit dem Ausdruck des Terroirs. Die Gegend ist geprägt von einem vorzeitlichen Supervulkan, vom Fluss Sesia und natürlich vom rauen Klima der Alpen. Die Region profitiert von perfekt zur Sonne ausgerichteten Lagen, von grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, vom gemässigten Voralpenklima und eben – von einem einzigartigen Terroirmix.

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Cristiano Garella (r.) arbeitet als önologischer Berater für viele andere Weingüter in der Region und diesen rät er ganz einfach dazu, mal die Füsse stillzuhalten, auf das Terroir zu hören und die Mainstreamtendenzen aussen vor zu lassen. Anderswo würde man als Önologe dafür wohl entlassen, doch hier scheint es ganz natürlich zu sein, dass man an den Methoden der Vorfahren anknöpft.

Fernab des Mainstreams
Alle Nebbiolo-Weine aus dem Nordpiemont besitzen hohe Säurewerte und können deshalb sehr gut altern. Eigentlich können sich die Winzer hier glücklich schätzen, dass ihre Region von der Parkerisierung und vom damit zusammenhängenden, meist fetten Weinstil verschont wurden und während die Klimaerwärmung in vielen Gegenden Italiens für Schwierigkeiten sorgt, scheint sie im moderaten Voralpenklima ein Vorteil zu sein.

Colombera & Garella produzieren neben einem DOC-Wein Coste della Sesia auch je einen Wein aus den Unterregionen Bramaterra und Lessona. Während der Hügel Bramaterra von Böden aus bröckeligem, rötlichem Porpyrgestein vulkanischen Ursprungs geprägt ist, stammt der Lessona von gelblich-beigem, sandigem Meeresurgestein.

Das Nordpiemont ist keine Region mit breitem Sortenspiegel, sondern eine, die von ihrem vielfältigen Terroir lebt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Sorte Nebbiolo nicht etwa aus der Region um Alba stammt, sondern eben aus Alpennähe. Im nördlichsten Zipfel des Anbaugebiets – um Domodossola, südlich des Simplons – gibt es den Nebbiolo-Klon Prünent, der auf granitenem Untergrund wächst. Mario und Roberto von der Cantine Garrone haben diesen Wein mit jahrhundertealter Tradition quasi im Alleingang reaktiviert und keltert daraus grosse, ganz eigenwillige, schlanke, feinwürzige Nebbiolo-Weine. Im Gegensatz zu einem Barolo oder Barbaresco besteht die Struktur eines Prünents vielmehr aus Säure und Frucht als aus Gerbstoff und Alkohol.

 Trocken, schlank, feinfruchtig und langlebig
Neben Nebbiolo kommen bei den Weinen des Nordpiemonts auch die autochthonen Sorten Vespolina und Uva Rara zum Einsatz. Unser aktueller Neuzugang Brigatti weiss damit zu spielen wie kein Zweiter. Francesco Brigatti ist im östlichen Nordpiemont, in der Unterregion Colli Novaresi zuhause. Hier entsteht auf Moränenböden einer der grossen nordpiemontesischen Klassiker. Francescos Möt Ziflon gehört zu den elegantesten Nebbiolo-Vertretern und besitzt eine unverkennbare, nordpiemontesische Charakteristik: trocken, frisch, schlank, feinfruchtig und langlebig.

Die berühmteste Lage der Region aber ist der Gattinara – die Nebbiolos von eisenhaltigen Porphyr-Böden sind gemeinhin so unbekannt wie unter Kennern legendär. Und so mussten wir einfach den schlicht kultigen Gattinara von Mauro Franchino in unser Sortiment aufnehmen. Wie seine Weine, ist auch er ein Urgestein von Winzer mit mehr als 50 Ernten auf dem Buckel. Franchino arbeitet so, wie man es schon seit Hunderten von Jahren tut, vergärt spontan, baut den Wein im grossen und nur im grossen Holzfass über fast 4 Jahre aus und greift nur dort ein, wo es wirklich nötig ist. Ein Qualitätsfanatiker alter Schule und damit mehr denn je am Puls der Zeit.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N°12

REB Wein Trinkphilosophie: Was ist guter Wein?

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Bei der Wahl unserer Produzenten und Produkte geht es lange nicht nur um Geschmack. REB Wein steht für artisanal und naturnah produzierte Weine, für Weine, die uns vitalisieren und nicht für solche, die uns sedieren. Die folgenden Punkte sind hierbei zentral.

HANDWERK
REB Weine werden von Klein- und Kleinstbetrieben handwerklich hergestellt. Die Handschrift unserer Winzerinnen und Winzer soll stets erkennbar sein.

NATURNAH
REB Weine werden zum Grossteil biologisch oder biodynamisch produziert. Die Zertifizierung ist für uns dabei zweitrangig. Alle unsere Winzer arbeiten mit gesundem Menschenverstand – nicht mehr und nicht weniger.

NON-INTERVENTIONIST
Unsere Winzer üben Verzicht im Keller. REB Weine sind weder stark geschönt, noch filtriert und werden mit einem Minimum an SO2 abgefüllt. Besonderes Augenmerk legen wir auf den Einsatz tierischer Produkte – REB Weine sind im Normalfall vegan.

AUTHENTIZITÄT
Ein REB Wein zeigt, woher er kommt, er widerspiegelt die Böden, auf denen er gewachsen ist, das Klima aber auch die Weinkultur eines jeweiligen Landstrichs. Wir bevorzugen Weine aus heimischen, autochthonen Sorten gegenüber Allerwelts-Tropfen aus internationalen Varietäten.

EHRLICHKEIT
REB Weine sind ehrlich. Wir führen keine Produkte, die vorgaukeln etwas anderes zu sein, als sie wirklich sind. Ehrliche Weine von ehrlichen Menschen zu fairen Preisen – dafür stehen wir.

BEKÖMMLICHKEIT
Ein guter Wein belebt, anstatt einzuschläfern. Wir sind überzeugt, dass solche Produkte nur mit Zurückhaltung und der Achtung vor der Natur entstehen können.

TRINKREIFE
Weine, die uns noch zu jung erscheinen, lagern wir ein, bevor wie sie aktiv vermarkten. REB Weine kommen wenn immer möglich trinkreif auf dem Markt – dem Wein, unseren Winzern und vor allem Euch zuliebe.

GESCHMACK
Die Geschmäcker sind frei! Jeder soll trinken, was ihm schmeckt. Wir bei REB Wein lieben elegante, trockene Weine. Marmelade und maskierende Holzaromen mögen hingegen wir nicht.