AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 11

Jura: Von der Leichtigkeit des Weins

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 Geografisch betrachtet müssten wir Schweizer den französischen Jura fast ebenso gut kennen wie das Piemont, das Elsass oder Baden. Doch das tun wir nicht. Die Region reicht vom Burgund bis an die Grenze der Schweiz und trotzdem kennt man bei uns höchstens den oxidativ ausgebauten, sherryartigen Vin Jaune und dann veilleicht noch den Comté-Käse. Dass im Jura aber auch einige der interessantesten Weiss- und Rotweine Frankreichs wachsen, das ist den meisten nicht bekannt, nicht einmal den Weinhändlern. Oder warum genau gibt es bei uns fast keinen Jurawein? Vermutlich liegt das an dem alten Problem, dass die meisten noch immer glauben, dass ein guter Wein kräftig, mundfüllend und überreif sein muss. Danke, Robert Parker! Juraweine sind alles andere als das, weder dunkelfruchtig, noch sonst irgendwie blockbustermässig, sie sind leicht und genau darum sehr sehr angenehm zu trinken.

Zugegeben: Auch wir bei REB Wein haben (zu) lange gezögert, bis wir begonnen haben, Juraweine ins Sortiment aufzunehmen, doch sind wir heute umso glücklicher - obwohl es sich um kleine Familienbetriebe mit wenigen Hektaren handelt - eine ordentliche Zuteilung der raren Weine aus der Miniregion (gerade mal 2000 Hektar) bekommen zu haben. Zum einen sind das die Rot- und Weissweine der Domaine de l’Aigle à Deux Têtes, sowie neu auch einen Crémant.

Der moderne Jura-Weinstil entspricht den aktuellen Kulinariktrends lange nicht nur wegen seiner Leichtigkeit, sondern vor allem wegen seiner Natürlichkeit. Das Jura ist dank des kompromisslosen Schaffens von legendären Winzern wie Emmanuel Houillon oder Pierre Overnoy längst zu einem Mekka für Bio- und Naturweintrinker (und -Macher) geworden. Auf den Weinkarten vieler Spitzenrestaurants – nebst Paris und Lyon – in Kopenhagen, oder New York ist das Jura heute gut vertreten und sogar in den angesagten Spitzentapas-Restaurants in Barcelona findet man heute Juraweine. Französischer Wein in Spanien, das ist doch mal was! Oft stehen auf den Karten ebenso viele Gewächse wie aus dem flächenmässig mehr als zehnmal grösseren Burgund.

Juraweine sind perfekte Speisebegleiter. Angefangen beim anspruchsvollen, oxidativ ausgebauten Vin Jaune, der wie ein Sherry fast schon chamäleonartig die verschiedensten Gerichte begleiten kann, gefolgt von den weissen Ouillé-Weinen, die in stets vollgehaltenen Fässern reifen (ouiller = auffüllen). Diese werden aus den Sorten Chardonnay und Savagnin gewonnen, wobei letzteres unserem Heida aus dem Wallis entspricht. Wer jetzt glaubt, dass diese Weine so fett und behäbig wie viele Walliser Heidas daherkommen, irrt gewaltig, ein Savagnin aus dem Jura ist elegant, nicht allzu schwer im Alkohol oder überbordend fruchtig. Selbiges gilt auch für die jurassischen Crémants. Richtig polarisierend sind aber die Rotweine aus den autochthonen Sorten Poulsard und Trousseau – die sind absolut nichts für Menschen, die glauben ein guter Wein müsse kräftig, dicht und vollfruchtig sein…

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Henri Le Roy hat gut Lachen, Juraweine sind gesucht wie nie zuvor.

Natürlich haben auch innovative Zürcher Gastronomen den Wert der Juraweine erkannt. Schon seit ein paar Monaten liefern wir die Weine der Domaine à Deux Têtes an stadtbekannte Restaurants wie das „Grüntal“, das „Maison Manesse“ oder das noch junge „Spitz“ im Landesmuseum. An allen drei Orten dienen die Weine von unserem Winzer Henri Le Roy vor allem der Speisebegleitung. Le Roy, der ursprünglich Biologe ist, stammt aus Paris und ist auf den anfangs erwähnten, nicht-oxidativen Ouillé-Ausbau spezialisiert. Wie praktisch alle Juraweine sind auch die von Le Roy rar und oft ausverkauft, bevor sie überhaupt abgefüllt sind. Henri Le Roy arbeitet übrigens auf kleinsten Parzellen, die er einzeln ausbaut und abfüllt. Er stellt seinen Betrieb gerade auf biologischen Anbau um. Als wir ihn letzthin um einen Tipp für Crémant-Produzenten fragte, nannte er uns den Namen Overnoy, meinte aber nicht etwa die Naturweinlegende, sondern Verwandte. Kurz vor dem Sommer ist der trockene Crémant de Jura auf Chardonnay-Basis von Jean-Louis und Guillaume Overnoy im REB Wein-Keller eingetroffen. Ebenfalls aus Umstellung auf biologischen Anbau, steht dieser Wein exemplarisch für die filigrane Leichtigkeit und den unverkennbaren Trinkfluss der Juraweine. Zudem haben wir zum Glück auch Magnumflaschen ihres Crémant «Clair Obscur» aus Pinot Noir bestellt, die pünktlich auf die Festtage bei uns verfügbar sein werden. Von den rund 250 handgerüttelten und 24 Monate gereiften Bouteillen «Clair Obscur» (Privatpreis CHF 46.00) haben wir uns ganze 78 Stück gesichert. Reservationen nehmen wir gerne entgegen.

 

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 10

Monte Bernardi: Chianti wie er sein soll

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Wir bei REB Wein mögen spezielle, ausgefallene Weine, fernab des Mainstreams – aber auch für uns muss es manchmal ein Klassiker sein. Mit diesen Klassikern ist es aber immer so eine Sache. Nur die wenigsten Weinregionen konnten ihr Erbe und somit auch die Klassiker tatsächlich bewahren. Deshalb ist es für uns oft schwierig, Weine und Produzenten zu finden, die der REB-Wein-Philosophie entsprechen. Ein Paradebeispiel für diese Problematik ist die Chiantizone in der Toskana. Bis heute werden die Chiantiproduzenten von ihrer Vergangenheit gebeutelt: Zuerst waren da die schrecklich rustikalen Massenweine aus der Korbflasche, die noch heute vielen Konsumenten in Erinnerung sind. Darauf folgten die überextrahierten Chiantibomben, die mit maskierendem Barriquegeruch und dem Charakter internationaler Traubensorten punkten wollten und noch immer wollen.

Zum Glück gibt es heute eine wachsende Zahl von Produzenten, die sich auf die Grundwerte der Region berufen, mit traditionellen Rebsorten arbeiten und ihre Weine mit Zurückhaltung ausbauen. Wir gehen sogar soweit und behaupten, dass im Chianti noch niemals so gute Weine produziert wurden wie heute. Nämlich Weine, die den traditionellen Chiantistil mit dem Wissen moderner Weinmacher vereinen. Die einzige Schwierigkeit: Man muss sie finden.

Seit einigen Jahren schon verfolgen wir verschiedene Betriebe in der Toskana und immer wieder haben wir auch die Weine des Chiantiguts Monte Bernardi in Panzano probiert. Als wir dann vor einigen Monaten in einem Gremium von rund zehn Leuten aktuelle Sangiovese-Muster verkosteten, stachen die Monte-Bernardi-Weine allesamt mit ihrer Eleganz, Tiefe und Feingliedrigkeit hervor. Da haben wir nicht lange gefackelt und gleich drei Weine ins Sortiment aufgenommen – allesamt dominiert von der Sangiovese-Traube, der unanfechtbaren Königin der Region.

Hauptbild_BernardiMichael Schmelzer produziert auf Monte Bernardi Chianti wie er sein soll…

Das 53 Hektar grosse Anwesen Monte Bernardi besteht zu grossen Teilen aus Buschland und Wald, gerade mal 13 Hektar sind heute mit Reben bepflanzt. Monte Bernardi gehört seit 2003 der Familie Schmelzer – Amerikanern mit deutschen Wurzeln. Und in diesem Fall ist der amerikanische Einfluss Gold wert! Familie Schmelzer hat den Anbau auf Biodynamie umgestellt, lässt alle Weine in grossen Holzbottichen spontan vergären und baut sie anschliessend in grossen Holzfässern aus. Die Weine werden nicht filtriert und nur leicht geschwefelt. Das Ergebnis ist das, was wir uns unter traditionellem Chianti vorstellen: Sangioveseweine, die einzigartig leicht und elegant sind aber ebenso viel Komplexität und Tiefe aufweisen.

Natürlich könnte man jetzt meinen, dass Familie Schmelzer einfach Exoten in der Chiantiregion sind, die auf den modernen Trend der leichteren Rotweine setzen, doch das entspricht ganz und gar nicht der Wahrheit. Bei unseren Besuchen waren wir immer wieder vom gegenseitigen Respekt und dem Wohlwollen unter den artisanal produzierenden Gütern beeindruckt. Die scheinen verstanden zu haben, dass sie nur gemeinsam weiterkommen, wenn sie ihre Tradition ohne Kompromisse in die Moderne tragen. Eine hocherfreuliche Entwicklung!

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 9

Domaine Malmont: Frisches Côtes du Rhône

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Das malerische Dörfchen Séguret gilt als einer der schönsten Orte Frankreichs und wurde in diesem Zusammenhang schon mehrfach ausgezeichnet. Wer einmal da war, kann das nachvollziehen: Atemberaubend ist die Bauweise der Steinhäuser – genauso wie die von Rebbergen und Olivenhainen geprägte Landschaft. Séguret ist auch die Bezeichnung für die hiesige Appellation. Séguret-Weine sind etwas weniger kraftvoll als die Weine aus den Nachbar-Appellationen. Dafür zeigen sie mehr Eleganz und Frische – was uns bei REB Wein natürlich besonders gut gefällt.

Unser langjähriger Freund und Winzer Nicolas Haeni arbeitet in eben dieser Region. Nicolas hat seine Wurzeln in der Schweiz. Aufgewachsen in Urdorf, zog er 1990 mit seinen Eltern nach Séguret. Sein Vater Alfred Haeni kaufte damals die Domaine de Cabasse, ein Weingut mit Restaurationsbetrieb. Nicolas arbeitete dort natürlich mit und war für die Weinproduktion verantwortlich. Als sich die Familie 2012 entschied, den Betrieb zu verkaufen, war für ihn sofort klar, dass er einen Rebberg behalten möchte: den Malmont.

Mal-mont heisst so viel wie schlechter Berg, was sich nicht etwa auf die Traubenqualität bezieht – im Gegenteil! Der Rebberg Malmont und damit auch die neue Domaine von Nicolas tragen diesen Namen, weil das Terrain am Berg besonders steinig und somit schwierig zu bewirtschaften ist. Für den umtriebigen Weinmacher war das Herausforderung und Antrieb zugleich. „Ich wollte schon immer weniger Reben haben und dafür mehr selber draussen arbeiten können“, sagt er rückblickend. Schon 2005 – als der Malmont noch zur Domaine de Cabasse gehörte – begann er die höher gelegenen Teile der Lage zu terrassieren und 2006 mit Reben zu bepflanzen. Unterstützung bekam er dabei von seinem langjährigen Freund und Winzerkollegen Josep Luiz Perez von Mas Martinet im spanischen Priorat. Die althergebrachte Terassierungstechnik der Spanier hat es Nicolas nämlich erst erlaubt, die Bergflanke des Malmont zu terrassieren, die bis dahin bewaldet war. Heute hat Nicolas Haeni vier Hektar Rebland im Ertrag, ein Hektar soll zusätzlich bepflanzt werden. Haenis Weine bestehen hauptsächlich aus Grenache und Syrah und gehören für uns definitiv zu den spannendsten Neuentdeckungen im südlichen Côtes du Rhône.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 8

Spanische Perlen e455a965-e00c-4c75-a885-785f0dc31a28

Es passiert uns immer wieder: Auf Weinreisen oder an Messen entdecken wir Spezialitäten, ja manchmal sogar Kuriositäten, die uns begeistern. Schon oft waren wir felsenfest davon überzeugt, dass unsere Entdeckung bereits in der Schweiz erhältlich ist und genauso oft wurden wir eines Besseren belehrt. Zuletzt bei den Txakoli-Weinen von Doniene Gorrondona, die wir ganz neu im Sortiment führen. Txakoli ist der Lieblingsweisswein der Basken und wer einmal im Baskenland gewesen ist, weiss auch, dass es keinen besseren Begleiter zu den Tapas und Pintxos gibt, die in den lokalen Kneipen serviert werden. Das Erlebnis, wenn ein geübter Kellner den Txakoli von hoch oben ins Glas giesst, ohne einen Tropfen zu verschütten, wird so schnell keiner vergessen. Ebenso den zwar urtypischen, meist sauren, prickelnden aber auch ganz schön anspruchslosen Weisswein nicht. Auf einer Spanienreise vor ein paar Monaten haben wir schliesslich den anderen Txakoli entdeckt: Vermehrt produzieren Betriebe aus der Region Bilbao Txakoli-Weine ganz ohne Kohlensäure oder Reduktion, die nach viel Luft beim eingiessen verlangen würde. So auch Doniene Gorrondona. Uns war schnell klar, dass wir von ihrer Lagenselektion “Doniene” und vom umwerfenden Txakoli Espumoso ein paar Flaschen in die Schweiz holen müssen.

Argumente gegen den Import von Weinen wie Txakoli in die Schweiz gibt es viele: „Das ist zu einfach für die Schweizer“, „das schmeckt nur vor Ort“ oder ganz einfach: „Das kauft doch niemand“. Auf die Nörgler hören wir schon lange nicht mehr. Natürlich müssen wir uns auch überlegen, ob wir solche Weine verkaufen können, doch wer sagt denn, dass wir gleich eine ganze Palette bestellen müssen? Die Weinwelt ist doch nur so interessant wegen ihrer Vielfalt, warum man diese den Schweizerinnen und Schweizern mit den immer gleichen Weintypen vorenthält, ist uns schleierhaft.

Die Schweizer lieben spanische Weine und die spanische Esskultur, das Land liegt auf dem dritten Platz, was unsere Weinimporte angeht. Importiert werden hauptsächlich Rotweine und dort wiederum besonders häufig solche aus der Sorte Tempranillo. Für uns ist das gelinde gesagt zu langweilig. Denn das Weinland Spanien ist wie gemacht für Perlentaucher wie uns, die in dem grossen Weinmeer nach dem Speziellen, dem Exzellenten suchen. Schon seit einiger Zeit haben wir die Weine der Bodegas Ponce im Sortiment. Aus der Sorte Bobal werden dort grosse Rotweine produziert – Bobal kennen Sie nicht? Dann ist es höchste Zeit, die Sorte kennenzulernen. Nach Tempranillo und Airén ist sie nämlich die drittmeist angebaute Rotweinsorte Spaniens und wird vor allem für die Produktion von Massen-Rosados und roten Verschnittweinen verwendet. Bobal verlässt Spanien also meist im Tanklastwagen und nur selten in der Flasche. Die Weine der Bodegas Ponce zeigen, dass das mehr als schade ist.

Wenn es von einer Rotweinsorte nie genug geben kann, dann ist es für uns Garnacha oder Grenache, wie sie in Frankreich heisst. Gerade darum freuen wir uns, ab sofort die Weine der Bodegas Canopy anbieten zu können. Die Bodega steht in der DO Méntrida zwischen Toledo und Madrid. Kennen Sie nicht? Auch das müssen wir gleich ändern: Die besten Lagen der DO Mentrida befinden sich im Nordwesten der Region in der Sierra de Gredos, woher auch ein Grossteil der Trauben für die Canopy-Weine stammen. Auf mageren Granit- und Schiefermergel wurzeln hier alte, knorrige Garnacha- und Syrah-Reben. Die meisten Flaschen aus der Region finden den Weg über die Grenze aber noch immer nicht und werden in Madrid getrunken. Keine Angst, wir wollen den Einheimischen ihre Weine nicht streitig machen, ein kleines Kontingent haben wir aber dennoch importiert und hoffen, damit den einen oder anderen Weinhorizont erweitern zu können? Vielleicht auch Ihren?

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 7

Axel Pauly: Der Riesling-Hüne 401e8574-4245-4153-aa04-c99b579b9563

Axel Pauly ist ein Purist. Das verraten uns nicht nur seine Weine, sondern auch die minimalistische Architektur seines Verkostungsraumes und nicht zuletzt sein trockener Humor. Der ist allgegenwärtig, wenn man mit ihm Zeit verbringt. Axel wurde von Journalisten schon als Riesling-Hüne und Mosel-Barbarossa bezeichnet. Während das vielen Berufskollegen gar nicht gefallen würde, passen ihm die Bezeichnungen ganz gut. In seinen Augen darf man sich selber nicht allzu ernst nehmen. Ein Winzer arbeitet schliesslich mit Wein und der soll doch auch Spass machen.

Axel gehört zu den neuen, jungen Winzern an der traditionell geprägten Mosel; zu den Winzern, die angesagte Weinpartys veranstalten, in hippen Sternerestaurants gelistet sind und sich in Kopenhagen oder Berlin ebenso wohl fühlen wie in Bernkastel-Kues. Sein wichtigster Markt ist Skandinavien. Dort werden seine hochfeinen, schlanken Rieslinge besonders geschätzt, weil sie die Speisen nicht erdrücken, sondern zurückhaltend begleiten. „Wir haben Glück, dass unser leichter Weinstil zurzeit sehr gefragt ist“, sagt Axel Pauly. Während viele Kollegen an der Mosel noch immer nach hohen Alkoholgehalten und Dichte streben, hat sich Familie Pauly der Leichtigkeit verschrieben. Axels Schmerzgrenze, was den Alkoholgehalt trockener Moselweine angeht, liegt bei 12,5 Volumenprozent. „Unser mildes Klima und unsere kargen Schieferböden erlauben uns, restsüsse und trockene Rieslinge mit moderatem Alkohol und hoher Aromendichte herzustellen, das zeichnet die Mosel aus, macht sie absolut einzigartig.“

119f81b2-07d9-48fd-8971-57fd105b49f7Axels Lagen sind spektakulär. Seine besten liegen im Lieser Niederberg-Helden. Dort ist es so steil, dass es einem Ungeübten schon mal schwindelig werden kann. Es erklärt sich von selbst, dass die Bewirtschaftung dieser Schieferlagen äusserst beschwerlich ist. Axel trägt auch das mit Humor. Sein Motto: „Steillagenwinzer, man könnte es einfach haben aber nicht schöner.“ Im Niederberg sind ihm die hoch gelegenen Parzellen am liebsten. Nah am Wald, der im Sommer für Kühlung sorgt, ist es für ihn einfacher, keine allzu hohen Mostgewichte einzufahren.

Axels Keller ist unspektakulär. Hier passiert nicht viel. In Axels Augen sollen Moselweine von ihrer Schiefermineralität leben und dem einzigartigen Charakter der Rieslingtraube. Holzeinsatz ist für ihn beim Riesling tabu, auch grosse Hölzer sorgen seiner Ansicht nach für allzu viel Schmelz und verfälschen das Pure, nach dem er strebt.

Axel Pauly ist ein Purist. Das zeigen auch seine Etiketten. Die hügelige Mosellandschaft ist darauf abgebildet. Wer die Flasche um 90 Grad dreht, erkennt aber, dass die Landschaft eigentlich Silhouetten von drei Gesichtern sind. Grossvater, Vater und Sohn – drei Generationen Pauly. Axels persönliche Geschichte, die auch immer in seinen Weinen spürbar ist. Der feinherbe Riesling Generations und der trockene Tres Naris (drei Nasen) stehen exemplarisch für Axels Einstellung: für seinen Humor, für den puren Ausdruck der Mosel, für Wein, der Spass macht und nicht zuletzt für den Respekt vor vorangegangenen Generationen in einer der ältesten und eindrücklichsten Weinbauregionen Europas.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 6

Weisswein: Kalt erwischt

Eis, Eis, Baby

In vielen erfolgreichen Weissweinregionen herrscht die Ansicht, dass ein Produkt nur dann gut ist, wenn es möglichst schnell getrunken und damit einfach verkauft werden kann. Gerade Weissweine müssen einfach verständlich, frisch und vor allem überbordend fruchtig sein. In unseren Augen sind Weine, die unter diesen Gesichtspunkten produziert wurden, aber leider oft langweilig und austauschbar. Der Ablauf der Vinifikation – also die Verwandlung von Trauben zu Wein – bestimmt massgeblich über den späteren Charakter eines Weines. Zwei der entscheidenden Einflussfaktoren in der Weissweinbereitung sind der Einsatz bestimmter Reinzuchthefen und vor allem die kontrollierte Gärführung bei sehr niedrigen Temperaturen.

Grundsätzlich heizt die alkoholische Gärung dem gärenden Traubenmost kräftig ein – bis zu 30 Grad warm kann ein gärender Wein werden. Diese Wärmeentwicklung verkompliziert die Weinbereitung. Zum einen beschleunigt der Temperaturanstieg biochemische Prozesse und damit steigt die Gefahr von Fehlaromen. Zum anderen beschleunigt Wärme aber auch die Gärung selbst. Durch eine stürmische Gärung, deren Wärme und Kohlensäure werden flüchtige, oft erwünschte Aromastoffe aus der gärenden Flüssigkeit geradezu herausgesprudelt. In den sechziger und siebziger Jahren begannen daher Experimente mit dem Ziel, durch eine temperaturgesteuerte Gärung, betont bukettreiche und fruchtige Weintypen zu produzieren – auf den ersten Blick ein löbliches Unterfangen.

Die Intention der Erfinder der Kaltgärung mag gut gewesen sein und hat vielen Regionen zu ihrem heutigen Erfolg verholfen, doch sehr tiefe Gärtemperaturen um 12 Grad Celsius schonen lange nicht nur die traubeneigene Frucht des Mostes, sie gestatten überdies die vermehrte Bildung von Gärungsnebenprodukten aus dem Stoffwechsel der Hefe. Die berühmtesten Aromaträger der Kaltgärung sind Esterverbindungen. Die riechen mal nach exotischen Früchten und mal nach kitschig-blauen Eisbonbons. Verstärkt wird der Aromaeffekt durch die bei der Kaltgärung eingesetzten Reinzuchthefen. Der Weinmacher kann durch die Wahl bestimmter Hefen das Aroma gezielt steuern. Als Kritikpunkt an der Kaltgärung kommt hinzu, dass oft Unmengen von kaltem Wasser verbraucht werden, um die Tanks zu kühlen oder aber sehr viel Energie für die Versorgung der Kühlanlagen benötigt wird. Die Kombination dieser aromabildenden Kellermethoden sorgt in unseren Augen aber nicht allein für Produktsicherheit, sondern vor allem für ganz viel Einheitsbrei. Die Fruchtaromen im Wein, die von der Kaltgärung mit Reinzuchthefen stammen, sind flüchtig und allzu oft erlebt man bei diesen Weinen einen schnelleren Zerfall als einem lieb ist. Sind die überbordenden Fruchtaromen nach wenigen Monaten weg, bleibt nichts weiter als Wasser und Alkohol.

Das tönt nach ganz schön viel Technik und irgendwie auch dramatisch – und das ist es auch.  REB Wein steht für natürliche Tropfen, für Weine, die im besten Fall biologisch aber immer naturnah angebaut und im Keller ohne viel technischen Schnickschnack hergestellt wurden. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von artisanaler Weinbereitung und meinen damit nicht nur hochstehendes Handwerk, sondern auch den Verzicht auf Kellermethoden, die den natürlichen Ausdruck eines Weines verzerren. Der Anbau auf gesunden, mineralreichen Böden, begrenzte Erträge, Handernte, die Vergärung mit traubeneigenen oder neutralen Hefen und ein langer Ausbau auf der Feinhefe sind für uns in diesem Zusammenhang selbstverständlich. Nur unter diesen Voraussetzungen können echte, charaktervolle Weissweine entstehen. So wie die von unseren Produzenten Filippo Filippi aus der italienischen Soave-Region, Viña Blanca de Salnes aus Rias Baixas in Spanien oder Marc Weinreich aus dem deutschen Rheinhessen.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 5

LUIS ÁNXO: DER REBENFLÜSTERER

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Niemals zuvor haben wir von REB Wein Weiss- und Rotweine aus Galicien verkostet, die uns besser schmeckten als die von Luis Ánxo Vázquez Rodríguez und würde jemand behaupten, dass Luis’ elegante, komplexe und vor allem terroirgeprägte Weine zum Spannendsten gehören, was der spanische Weinbau aktuell zu bieten hat, würden wir bedingungslos einwilligen. Was eigentlich nicht unsere Art ist.

Ribeiro gehört zu den jungen D.O’s Spaniens. Erst im Jahr 1957 hat das kleine Gebiet diesen Status erhalten. Doch bis das Potenzial der Lagen am Fluss Miño und seinen Nebenflüssen Avia, Arnoia und Barnantiño erkannt wurde, sollte es noch einige Jahre dauern. Luis Ánxo Vázquez Rodríguez war einer der ersten, der 1988 begann, die vergessenen autochthonen Rebsorten Galiciens wiederzubeleben.

Luis studierte Philosophie und Önologie, was man auch seinen Weinen anmerkt. Er ist ein ruhiger Typ, geht eher intuitiv als nach streng wissenschaftlichen Regeln vor und sieht sich mehr als Winzer, denn als Kellermeister. Seine Lagen, Reben und vor allem seine Region sind seine Westentasche – hier kennt sich niemand besser aus als er. Die Weinberge befinden sich zum grössten Teil im Tal des Flusses Arnoia. Vier Hektar verteilt auf nicht weniger als unglaubliche 147 Parzellen. Während in anderen Gebieten Galiciens Lehm und Schiefer vorherrschen, dominieren in den Böden der Viña Martin Sand und Granit. Und das schmeckt man mit jedem Schluck! Luis Ánxos Weine sind nie langweilig primärfruchtig, sondern stets komplex, mundfüllend, von beachtlicher Struktur aber auch besonders trinkbar und elegant. Man ist fast versucht, das Wort „burgundisch“ zu verwenden, doch wie aus dem Burgund sind seine Weine ganz und gar nicht. Es sind Spitzengewächse, wie sie nur in Ribeiro gedeihen können.

Wie bei jedem Terroirwein stehen die Sorten eigentlich im Hintergrund. Für Luis ist es aber logisch, dass nur die autochthonen Varietäten seiner Heimat deren wahren Charakter im Glas widerspiegeln können. Der weisse Escolma etwa beinhaltet Treixadura und Albariño, er reift ein Jahr im Barrique und danach drei Jahre auf der Flasche, bevor er in den Verkauf kommt. Der Escolma tinto ist das rote Gegenstück. Er besteht aus den für das Flusstal des Arnoia typischen Sorten Brancellao, Ferról, Caiño Longo und Caiño Redondo und reift ebenfalls ein Jahr im Barrique sowie drei Jahre in der Flasche. Mit dem weissen Viña de Martín und dem roten A Torna dos Pasás hat Luis je einen “Zweitwein” im Angebot, der fast allen Erstweinen der Region haushoch überlegen ist. Bei den vielen Kleinstparzellen ist es nur logisch, dass die Weine aus Arnoia keine Lagenweine sind, sondern Verschnitte von mehreren Lagen und vieler Parzellen.

Vor vier Jahren begann für Luis Ánxo ein neues Abenteuer. Ein Winzer aus Ribadavia, Eigentümer von 1,3 Hektar Rebland in nur einer einzigen Parzelle am Fluss Adavia, verstarb und die Erben beauftragten Luis Ánxo, diese zu bewirtschaften. Daraus entstand A Teixa, ein Lagenwein aus fast 100 Prozent Treixadura. Für diesen Wein besorgte sich Luis Ánxo zwei grosse Fuderfässer für Vinifikation und Ausbau. Das Resultat ist ganz anders als das, was man von den Lagen am Fluss Arnoia kennt. Und dennoch ist die Handschrift des Ausnahmewinzers Luis Ánxo, sein bedingungsloses Streben nach dem Ausdruck des jeweiligen Terroirs, auch hier klar zu spüren.

AUSSCHNITT: REB WEIN LETTER N° 4

NATURWEIN: NUR TRAUBEN UND ZEIT!?

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Naturwein ist in aller Munde und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Natürlich produzierte Weine werden getrunken, noch häufiger wird über sie aber nur gesprochen, ja gar hitzig diskutiert. Zentraler Diskussionspunkt dabei ist die genaue Definition. Als Naturwein werden grundsätzlich Gewächse bezeichnet, die mit möglichst wenigen Eingriffen produziert werden: Ausgangspunkt ist ein naturnaher Anbau – mit Bio-Zertifizierung, mit Einsatz biodynamischer oder noch strikterer Methoden. Im Keller wird Verzicht geübt. Weder Reinzuchthefen, noch stabilisierende Schönungen oder Filtrationen werden eingesetzt und auch Schwefel wird in der Regel nicht verwendet. Die Reifung der Weine findet meist in neutralen Gebinden statt – allzu starker Holzeinfluss ist verpönt. Naturweine bestehen im Idealfall also nur aus Trauben und Zeit.

Es ist nicht einfach, genau abzugrenzen, welche Produkte nun Naturweine sind und welche nicht und das ist ein weiterer Grund dafür, dass das Thema so viel Diskussionsstoff bietet. Davon konnten wir uns vor einigen Wochen selbst überzeugen, als wir die Naturweinmesse RAW in Berlin besuchten. Die Aussteller auf dieser Messe vereint zwar ihr Streben, Wein möglichst natürlich, ohne Eingriffe entstehen zu lassen, aber keinesfalls der strikte Verzicht auf Schwefel, wie vielerorts behauptet wird. Ob sie ganz auf den Einsatz von Schwefel verzichten oder ihn in kleinen Dosen einsetzen, ist eine persönliche Philosophiefrage jedes einzelnen Weinmachers.

Wenn man die Kriterien für die Zulassung der Aussteller zur RAW-Messe als Grundlage für die Entscheidung nimmt, ob es sich bei einem Gewächs um einen Naturwein handelt oder nicht, dann würden gut drei Viertel des REB Wein Sortiments so bezeichnet werden dürfen. Wir sind uns sicher, dass ein Wein nur den wahren Ausdruck der Traubensorte, des Terroirs und dessen Potenzial offenbart, wenn er mit minimalen Eingriffen produziert wurde.

Über Naturweine wird nicht nur der schwierigen Definition oder Abgrenzung wegen diskutiert, fast häufiger geht es dabei um den Geschmack. Die Nörgler sagen, dass Naturweine nie grossen Genuss bereiten können, da sie unrein riechen und schmecken. Die Verfechter wiederum argumentieren, dass diese Gewächse mit grösstmöglicher Natürlichkeit und Trinkigkeit überzeugen. Nicht erst seit der Messe in Berlin wissen wir, dass es beides gibt – wie beim konventionellen Weinen auch, muss man bei natürlich produzierten Weinen die Spreu vom Weizen trennen.

Deshalb verfolgen wir von REB Wein einen pragmatischen, undogmatischen Ansatz und sind immer auf der Suche nach reintönigen Gewächsen, die möglichst nah an der Natur und ohne Zusatzstoffe entstanden sind. Wenn ein Produzent allerdings nicht auf die Schönung seiner Weine verzichten möchten, legen wir besonderes Augenmerk auf die Verwendung tierischer Produkte – REB Weine sind immer vegan.

Wir wünschen uns, dass die „Naturweine“ in unserem Sortiment und ganz allgemein als das wahrgenommen werden, was sie sind: authentische Gewächse, die von einzigartigen Winzerpersönlichkeiten nach bestem Wissen und Gewissen artisanal erzeugt wurden.