REB Wein Letters

REB Weine erzählen alle ihre ganz eigenen Geschichten und diese lest Ihr hier. Von Traube, Boden, Klima und natürlich Mensch.

RebWein Letter N°43

Château de Roquefort: Spassweine von Format

An der Maxime «fernab des Mainstreams» halten wir bei REB Wein stets fest, wenn wir auf der Suche nach neuen Weinen und Winzern sind. Doch wir lassen auch unsere Ansprüche an den Anbau und die Trinkbarkeit nie ausser Acht. Und dann wäre da noch die Sympathie gegenüber den Weinmachern, die uns über die Jahre immer wichtiger geworden ist. Wir wollen nur mit Leuten arbeiten, mit denen wir uns auch verstehen – und wir werden immer besser darin. So schnell einig wie bei Raimond de Villeneuve und seinen Provence-Weinen von Château de Roquefort waren wir uns bisher selten. Uns war sofort klar, Raimond muss Teil der REB-Wein-Familie werden.

Raimond ist ein absolut sympathischer, zugänglicher Winzer und genauso ein Charakterkopf. In der französischen (Bio-)Weinszene ist er bekannt wie ein bunter Hund und weil er früher mal in München lebte, spricht er auch noch perfekt deutsch – oder eher bayrisch. Als Raimond vor einigen Jahren seine ganze Rotweinernte in einem fürchterlichen Hagelsturm verlor, mobilisierte er innert kürzester Zeit seine Freunde und dreissig der besten Winzer Frankreichs teilten ihre Trauben mit ihm. So entstand im Jahr 2012  ein einmaliger Wein, der Raimond das Überleben sicherte und natürlich längst ausverkauft ist. Doch bis heute illustriert der «GRÊLE» ganz schön, was für ein Typ Raimond ist. Einer mit Kultpotenzial.

Das Château de Roquefort ist seit 2006 via biologisch zertifiziert und wendet konsequent biodynamische Methoden an. Die Weine sind auf den ersten Blick typisch provenzalisch. Raimond macht Weissweine aus Clairette und Vermentino, der hier Rolle heisst. Natürlich macht er auch einen Rosé und zwei Rotweine auf Basis der Provence-Paradesorten Grenache, Cinsault, Carignan, Mourvèdre und Syrah.

Als «herzhaft untechnisch» haben wir die Gewächse von Château de Roquefort schon beschrieben: spontan vergoren, trocken ausgebaut, geradlinig und präzise sind sie – und dabei immer auch lebhaft und charakterstark. Es sind Provence-Weine, die nicht nur wir absolut begeistert trinken, das zeigt die Tatsache, dass sie stets ausverkauft sind, aber auch die oben erwähnte Akzeptanz in der kritischen, französischen Weinszene. Mit dem Kommerzstoff, der auf den Jachten an der Côte d’Azur literweise getrunken wird, haben Raimonds Weine rein gar nichts zu tun. Und das hat natürlich seine Gründe.

Raimonds Weine sind nicht einfach der Ausdruck ihres Machers, sondern vor allem auch die Frucht eines einzigartigen Terroirs. Erst mit der Umstellung auf naturnahen, heute gar biozertifizierten Anbau schafften Raimond und sein Team diesem Umstand voll Rechnung zu tragen. Die rund 30 Hektar Reben befinden sich auf einem Hochplateau zwischen dem «Massif de la Sainte-Baume» und dem «Massif de Calanques» – dem jüngsten Nationalpark in Südfrankreich. Die Reben stehen in einer Nord- Nordwestlage auf 360 bis 400 Metern über Meer, sind also nicht voll exponiert. Das Klima, die Landschaft und die Vegetation rundherum sind rau und karg – es kann hier genauso unerträglich heiss wie auch bitterkalt werden und stark windig ist es sowieso. Die Böden sind von Lehm, Kalk und Feuerstein geprägt und die Gegend rundherum von der typisch provenzalischen Buschlandschaft, der Garrigue geprägt. Seine Rebterrassen musste Raimond der wilden Landschaft förmlich abringen, Unmengen an Material mussten bewegt werden, um flache, bepflanzbare Flächen zu bekommen. Es ist ein einzigartiges Terroir, das Raimond hier hat. Eines, das nicht nur für Frische in den Weinen sorgt, sondern auch für enormen Ausdruck. Raimond selber bildet sich darauf aber nicht viel ein. Er forciert seine Weine nicht in eine bestimmte Richtung, will nicht auf Teufel komm raus «grosse» Weine machen, die ewig reifen können oder müssen, sondern solche, die ganz einfach Spass machen. Ehrlichen Spass. Und genau das ist es, was die Weine vom Château de Roquefort für uns so grandios macht.