REB Wein Letters

REB Weine erzählen alle ihre ganz eigenen Geschichten und diese lest Ihr hier. Von Traube, Boden, Klima und natürlich Mensch.

RebWein Letter N°44

Charakter-Rosé: so wird er gemacht

Rosé ist ein zweischneidiges Schwert. Während die Konsumenten ihn lieben, rümpfen viele Weinnerds die Nase, wenn ein roséfarbener Wein nur schon ihre Lippen berührt. Das ist schade! Denn Rosé ist weder ein zweitklassiger Wein, noch ein Abfallprodukt. Wie für alle guten Weine, braucht es auch für einen guten Rosé erstklassiges Traubengut. Bei vielen Produzenten, die für ihren pinken Wein bekannt sind, werden die Trauben dann auch nur zu diesem Zweck angebaut und zum idealen Zeitpunkt für die Weiterverarbeitung zum Roséwein geerntet. Im Fall der Rosés im REB Wein-Sortiment gelten dieselben Grundsätze wie bei allen anderen REB Weinen: Die Trauben werden naturnah angebaut und danach handwerklich weiterverarbeitet. Und das Resultat bewegt sich dann trotz rosa Farbe fernab des Mainstreams.

 

Rosé ist kein Mix aus Rot- und Weisswein, einen solchen Wein bezeichnet man in einigen Regionen als Schiller – etwa in Graubünden. Bis auf die rosarote Farbe hat der Schiller jedoch nichts mit einem echten Rosé gemein. Grundsätzlich gibt es im Keller zwei Wege, um einen Rosé-Wein herzustellen. Die erste Methode, das sogenannte Saignée-Verfahren, ist Schuld daran, dass manche denken, Rosé sei ein minderwertiges Produkt. Bei diesem Verfahren werden zunächst rote Trauben für die Produktion eines Rotweins eingemaischt. Die Beeren werden also angequetscht und liegen im eigentlich weissen Saft, der sich durch die Farbe in den Beerenhäuten zusehends rosarot färbt. Nach einer gewissen Zeit wird dann ein Teil des Saftes abgelassen, wodurch der Anteil der festen Bestandteile der Traube – Häute, Kerne und Fruchtfleisch – im Behälter steigt und damit auch die Konzentration im Saft, der am Ende zum Rotwein wird. Der abgezogene Saft wird dann separat vergoren und so zum Saignée-Roséwein. Es handelt sich hier also durchaus um ein Zweitprodukt aus Rotweinherstellung, jedoch wird ein guter Winzer für seinen Rotwein immer nur beste Trauben verwenden und somit wird auch der Roséwein aus dem Saignée-Verfahren erstklassig sein – ein Abfallprodukt ist ein Saignée also mitnichten. Der REB Wein-Winzer Nicolas Häni von der südlichen Rhône verwendet für seinen Rosé 15 Prozent Saignée-Wein aus der Rotweinproduktion. Sein Rosé führte letztes Jahr eine Rosé-Verkostung im Weinmagazin Vinum an. So schlecht scheint die Methode also wirklich nicht zu sein…

Der grösste Teil der Rosé-Weine entsteht heutzutage durch Direktpressung. Die Trauben werden also eingemaischt und dann nach einer gewissen Zeit der Farbgebung in den Most sanft abgepresst, dabei geht also der ganze Saft aus den Trauben in die Rosé-Herstellung. Der Wein wird dann wie ein Weisswein ohne Häute oder Kerne vergoren. Oft wird behauptet, dass diese Methode zu besseren Resultaten führt als das Saignée-Verfahren. Richtig ist sicher, dass die Trauben für die Direktpressung nur für die Rosé-Herstellung angebaut und selektioniert werden, das Verfahren alleine macht den Wein aber noch lange nicht exzellent.

In den letzten Jahren und Monaten haben wir uns viel nach Rosé-Weinen umgeschaut, die in unser Sortiment passen. Dabei haben wir bemerkt, dass wir uns in keinster Weise einig waren, wonach wir suchen sollen. Wie alle anderen Weinfarben ist auch Rosé überaus vielfältig und die geschmacklichen Präferenzen der einzelnen Menschen sind unterschiedlich. Die bekanntesten Rosés kommen aus der Provence und Weine wie der Corail des Château de Roquefort führen eindrücklich vor Augen, warum die Provence zur Rosé-Hochburg wurde. Der Corail ist ein fruchtiger, straffer, trockener und völlig unkitschiger Rosé. Das gilt auch für den A Descoberta Rosado von der Casa da Passarella in der portugiesischen Region Dão. Ein Wein von Granitböden, der viel Charakter zeigt sich dabei aber so einfach trinken lässt wie ein Sommer-Weisswein. Das eigentliche Gegenstück dazu ist der Bandol Rosé Terroir du Trias von der Domaine de Terrebrune. Ein ernsthafter Wein, der als Speisebegleiter zu mediterranen Spezialitäten geradezu brilliert und für den das Wort Terrassenwein nahezu eine Beleidigung wäre. Selbiges gilt für den neuesten Rosé-Zugang im REB Wein-Sortiment. Der Xinomavro-Rosé des griechischen Ausnahmewinzers Apostolos Thymiopoulos. Der einzige Rosé Griechenlands, der in Eichenfässern fermentiert und dort auch drei bis vier Monate reift. Ein saftiger, kraftvoll-kantiger, ausladender, beeriger, mediterraner Wein mit langem Nachhall und ja, rosaroter Farbe – aber das spielt hier wirklich keine Rolle, es handelt sich ganz einfach um einen fantastischen Wein.